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Flüge

Flieger ließ Passagiere sitzen und flog leer nach Deutschland: Betroffener erhebt schwere Vorwürfe gegen Mallorca-Airline

Der Mann wartet seit Monaten auf Entschädigung und fordert sein Geld zurück, die Fluggesellschaft schweigt weiterhin zu dem Vorfall aus dem Spätsommer

Der Passagier erhebt schwere Vorwürfe gegen die Airline Alba Star: Im September 2025 flog ein Flieger leer von Palma de Mallorca nach Kassel – und ließ die Passagiere zurück. (Symbolbild) | Foto: Archiv Ultima Hora

| Palma, Mallorca | |

Auch wenn das Erlebte schon Monate her ist, klingt Armin T. noch immer mitgenommen, als er von dem wohl schlimmsten Flug seines Lebens erzählt. Eine ganz normale Reise von Palma de Mallorca nach Kassel-Calden hätte es werden sollen, doch am 21. September vergangenen Jahres kam alles anders: Die Passagiere mussten erst lange warten, dann den Flieger verlassen – schlussendlich hob die Maschine ohne sie ab und flog leer in die Bundesrepublik. Auch MM hatte damals über den Fall berichtet.

Auch mehr als drei Monate nach dem Vorfall sitzt der Frust bei dem Hessen Armin T. tief. Denn noch immer versucht er, die Fluggesellschaft Alba Star zu erreichen und seine Ansprüche geltend zu machen – vergeblich. "Die melden sich einfach nicht und man kann nichts dagegen tun", schildert er mit verzweifelter Stimme im Gespräch mit der MM-Redaktion. Seitdem ist der Mann auf mehr als 1200 Euro Mehrkosten sitzengeblieben, sagt er.

Passagiere mussten schweißgetränkt im Flieger warten

Wie der Betroffene erzählt, ging bei dem Flug Ende September vieles schief. Zuerst mussten die Passagiere im Flieger warten, und das bei extrem hohen Temperaturen. "Viele waren komplett nassgeschwitzt, wie geduscht. Auch kleine Kinder und ältere Menschen waren an Bord." Es sei sogar so heiß gewesen, dass einige Babys nur noch Windeln getragen hätten. Je mehr Zeit mit Warten verging, desto größer sei der Unmut gewesen.

Eine deutschsprachige Flugbegleiterin habe die Passagiere dann informiert: "Wir dürfen in fünf Minuten starten – oder Sie können auch aussteigen." Entsprechendes Videomaterial liegt der MM-Redaktion vor. Ohne die Antwort der Fluggäste abzuwarten, macht die Frau dann auf Spanisch eine Ansage an das Bodenpersonal: "Sie steigen gleich aus." Auch der betroffene Passagier Armin T. erzählt, er sei ebenfalls ausgestiegen, habe sein Gepäck am Kofferband geholt und sei zum Serviceschalter gelaufen – mit der Hoffnung auf einen baldigen Ersatzflug.

Chaos ging weiter

Doch gingen die chaotischen Umstände am Flughafen von Palma weiter. "Da habe ich dann erfahren, dass der Flieger ohne uns geflogen ist und es hieß, wir hätten uns geweigert, mitzufliegen – was nicht stimmte", sagt der Hesse. Anstatt die langen Wartezeiten am Serviceschalter in Kauf zu nehmen, buchte der Mann für sich und seine Familie kurzerhand selber neue Tickets, um endlich zurück in die Heimat fliegen zu können.

820 Euro kosten die Flugtickets mit Eurowings, damit die Urlauberfamilie noch in der nächsten Nacht in Erfurt landen konnte, um danach mit dem Taxi für 400 Euro nach Kassel weiterzufahren. Seitdem ist Armin T. auf den zusätzlich entstandenen Kosten von mehr als 1200 Euro sitzengeblieben. Er habe auf der Seite der Mallorca-Airline Alba Star ein Formular ausgefüllt und warte nun schon seit Wochen vergeblich auf Antwort.

Airline schweigt zu den Vorwürfen

Auch eine MM-Anfrage zu dem Chaos-Flug von Palma de Mallorca nach Kassel bleibt seitens der Airline unbeantwortet. Warum es zu der Verzögerung kam und wieso der Flieger schlussendlich ohne Passagiere abgehoben war, lässt sich nicht klären. "Viele Passagiere berichten von schlechten Erfahrungen mit der Airline", meint der Betroffene. Schlechte Rezensionen lesen sich tatsächlich auf einigen Portalen.

Auch das Portal "Flightright" bestätigt auf Nachfrage der Redaktion, dass der Umgang der Fluggesellschaft Alba Star mit grundsätzlicher Kommunikation und auch in Bezug auf Schadensansprüche eher schwierig sei. "Wir können bestätigen, dass wir von der Fluggesellschaft AlbaStar seit Dezember 2022 keine außergerichtlichen Zahlungen mehr erhalten. In der Praxis bedeutet dies, dass berechtigte Ansprüche unserer Kundinnen und Kunden regelmäßig erst nach gerichtlicher Durchsetzung beglichen werden", antwortet die Fluggastrechtsexpertin und Rechtsanwältin Feyza Türkön.

Zeitgleich ordnet die Expertin auch ein, dass dies öfter passiere: "Dass sich Fluggesellschaften weigern, berechtigte Ansprüche außergerichtlich zu regulieren und Zahlungen erst nach einem positiven Gerichtsurteil leisten, ist leider kein Einzelfall in der Branche." Für Armin T. sowie alle anderen von dem Chaos-Flug betroffenen Passagiere bedeutet das: weiterhin viel Geduld haben und sich möglicherweise rechtlichen Beistand holen.

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