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Deutscher Personenschützer auf Mallorca packt aus: So gefährlich ist die Insel für Promis

VIP-Bodyguard Frank Schrader berichtet aus seinem Alltag als internationaler Security Consultant für Reiche

Der ehemalige SEK-Beamte Frank Schrader arbeitet heute als Sicherheits-Consultant und Personenschützer weltweit | Foto: plozano

| Mallorca |

Als Security Consultant und international gefragter Personenschützer erlebt Frank Schrader Einsätze, wie man sie sonst nur aus Actionfilmen kennt. Beim einstündigen MM-Gespräch im Cappuccino Plaza de Cort in der Balearenkapitale an einem sonnigen Wochentag im Januar sagt der 1,90 Meter große Hüne: "In der Zeit, in der wir hier sitzen, sind zwei Beamte der Guardia Civil und zwei Polizisten der Policía Local vorbeigekommen. Außerdem sehe ich hier und da verdeckte Sicherheitskräfte. Ich habe ein trainiertes Auge dafür und nehme Dinge wahr, die andere auf den ersten Blick nicht erkennen."

In Manchen Reichen-Villen feiern Okupas wilde Drogenpartys

Ein guter Personenschützer sei zudem oft gerade dadurch gekennzeichnet, dass man ihn nicht als solchen identifizieren könne. Der Berliner, der bei seinen Einsätzen bereits Prominente wie Leonardo DiCaprio, Meta-CEO Mark Zuckerberg, Supermodel Gigi Hadid, Tom Cruise und George Clooney sowie hochrangige Politiker und Wirtschaftsbosse begleitet hat, erklärt: "Mein Job besteht vor allem darin, unsichtbar zu sein." Vom 19. bis 23. Januar wird Schrader beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Einsatz sein. Jahre zuvor war er unter anderem in Kolumbien tätig, wo er für einen US-amerikanischen Getränkehersteller verlorengegangene Plantagen von der kolumbianischen Guerilla zurückeroberte. "In São Paulo kann man davon ausgehen, dass Gefahr droht, wenn Fahrzeuge oder Personen auffällig häufig um einen herumkreisen. Es gibt Banden, die mehrmals mit Motorrädern an derselben Stelle vorbeifahren. Und irgendwann wird man an der nächsten Ecke mit vorgehaltener Waffe gestoppt", erinnert sich der Deutsche an eine Gefahrensituation zurück.

Demnächst hält Schrader einen Vortrag über Sicherheitsfragen beim Deutschen Wirtschaftsclub in Budapest im Rahmen einer Sicherheitskonferenz, wo er auch vor dem albanischen Konsul referieren wird. "Vor wenigen Monaten war ich in Barcelona als Security bei einem Rheumatologen-Kongress im Einsatz. Diese Stadt ist wirklich so etwas wie der Endgegner", sagt Schrader. "Allein an einem Tag auf dem Weg zu den Ramblas habe ich vier Überfälle beobachtet." Auch wenn es auf den Balearen nicht ganz so heiß zugehe wie in der katalanischen Metropole, gelte auch hier, dass Wachsamkeit unerlässlich ist.

Mallorca, das er seit 2006 seine Heimat nennt, sei grundsätzlich ein sicherer Ort, sagt Schrader. Dennoch beobachte er auch hier eine zunehmende Kriminalität. "Viele Deutsche, die hier Urlaub machen, glauben, die Insel sei ein einziges Resort. Doch herrscht hier keineswegs absolute Sicherheit.” Viele Touristen, häufig alkoholisiert, verhielten sich unachtsam und auffällig und zögen dadurch die Aufmerksamkeit organisierter Kleinkrimineller auf sich. "Die Polizei auf der Ferieninsel ist gut ausgebildet und gibt sich große Mühe. Das einzige Problem ist, dass die spanischen Polizisten unter akutem Personalmangel leiden", so das Fazit von Schrader.

In den Villen der Reichen und Berühmten auf Mallorca habe er bereits so manchen unglaublichen Fall erlebt. "Einmal wurde ich gerufen, nachdem Einbrecher den Hausbesitzern einen 200 Kilogramm schweren Tresor mithilfe von Olivenöl aus dem Haus geschafft hatten", erzählt der Sicherheitsexperte. "Oftmals werden mir Videos vorgelegt, auf denen zu sehen ist, wie ein Einbrecher anderthalb Stunden lang mit gezogenem Messer durch das Haus läuft, während die Eigentümer schlafen", so Schrader weiter. So mancher Villenbesitzer würde nach einem derart verheerenden Einbruch sogar seine luxuriöse Finca komplett aufgeben.

Auf Mallorca, wo der VIP-Bodyguard seit 19 Jahren lebt, posiert er hier vor dem Rathaus von Palma.

Viele würden im Urlaub ihren Menschenverstand komplett ausschalten

"Mein Job ist es, an Orte zu gehen, an denen andere wegrennen würden", erklärt er mit einem Augenzwinkern. Viele Taschendiebstähle auf der Insel seien auf professionell organisierte Banden aus Rumänien, Algerien und Marokko zurückzuführen. Darüber hinaus gebe es die sogenannten „Rolex-Banden", die vor allem in den Sommermonaten an den Hotspots der Wohlhabenden wie Puerto Portals auf Beutezug gingen. „Viele kommen hierher und geben sich als Urlauber in Hotels aus. Schon beim Frühstück beobachten sie, ob ein Gast eine Luxusuhr trägt. Selbst bei einer Richard Mille, die mehrere Hunderttausend Euro kostet, ist das Kautschukarmband schnell durchgeschnitten, und die Uhr verschwindet vom Handgelenk", berichtet Schrader. Auch in Villen würde es für professionelle Ganoven oft leicht gemacht. "Mancher Makler bietet komplette Hausführungen online an, sodass sich Einbrecher minutiös vorbereiten können. Drohnen, die über einem Haus fliegen, könnten von Kriminellen eingesetzt werden, um Grundrisse und Alarmanlagen auszuspähen."

Selbst bizarre und beinahe surreal anmutende Fälle hat der Security-Mann bereits erlebt. "Zuletzt wurde ich von einem Kunden hinzugezogen, der seine Villa in Meeresnähe an einen saudischen Prinzen weitervermieten wollte." Doch in Pool und Räumlichkeiten der Villa hatte sich bereits eine Gruppe Engländer für mehrere Tage eingenistet. "Sie sind vom Strand herübergeschwommen, haben dort Partys gefeiert und anschließend geschaut, was sie mitgehen lassen konnten. Es handelte sich um einen Fall von Hausfriedensbruch." Der muskelbepackte deutsche Sicherheitsmann machte ihnen unmissverständlich klar, dass sie das private Areal umgehend verlassen, zurück zum Strand schwimmen und andernfalls mit einem sofortigen Polizeieinsatz rechnen müssten.

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