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Boulevard

Valentino und Mallorca: Wie der verstorbene Modezar die Insel zu seiner Bühne machte

Yacht „Blue One“, Es Trenc, Puerto Portals – Glamour, Rückzug und das berühmte Valentino-Rot

Valentino bei seiner Ankunft in Puerto Portals auf seiner Yacht "Blue One" | Foto: Julián Aguirre

| Mallorca |

Mallorca war für Valentino Garavani nie bloß ein Urlaubsziel. Die Insel war Kulisse, Rückzugsort und Laufsteg zugleich. Der italienische Modeschöpfer, der nun im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben ist, gehörte zu jener seltenen Spezies von Künstlern, deren bloße Anwesenheit Orte veränderte. Wo Valentino auftauchte, wurde es automatisch etwas glamouröser. Auf Mallorca war das nicht anders – hier verband sich mediterrane Lässigkeit mit Haute Couture, Sand mit Seide, Es Trenc mit Valentino-Rot.

Entdeckt hatte Valentino die Insel bereits in den 1970er Jahren, nach einer Modenschau, auf einer Kreuzfahrt mit seinem Freund Elio Fiorucci. Das Schiff lag im Hafen von Palma de Mallorca, die Insel zeigte sich von ihrer besten Seite – und Valentino war, wie Wegbegleiter später erzählten, augenblicklich verzaubert. Mallorca wurde fortan ein Fixpunkt seines Lebens, besonders in den 1990er Jahren und zur Jahrtausendwende, als die Insel zum sommerlichen Treffpunkt der internationalen High-Society avancierte.

Valentino beim Abendessen im "Flanigan" mit der 2023 verstorbenen Aristokratin Cristina Macaya (r.) und einer Freundin.

Die „Blue One“ als schwimmender Laufsteg

Untrennbar mit Valentinos Mallorca-Jahren verbunden ist seine legendäre Superyacht „Blue One“. Ihr markanter, dunkelblauer Rumpf war in den Sommermonaten regelmäßig vor Es Trenc, in Puerto Portals oder entlang der Südküste zu sehen – ein schwimmendes Symbol für diskreten Luxus. An Bord: Valentino selbst, sein Lebenspartner Giancarlo Giammetti, dazu Models, Schauspielerinnen, Aristokraten. Namen wie Claudia Schiffer, Rosario Nadal, Cristina Macaya oder Gwyneth Paltrow fielen auf der Insel nicht zufällig, sondern fast erwartbar.

Die „Blue One“ war kein Partyschiff, sondern ein Salon auf See. Hier wurden Vertraulichkeiten ausgetauscht, Karrieren diskutiert, Erinnerungen geteilt. Abends verlagerte sich das gesellschaftliche Leben an Land – in Restaurants wie dem legendären Flanigan, wo Valentino mit seinem kleinen, sorgfältig ausgewählten „Hofstaat“ speiste. Mallorca wurde so zur Verlängerung seines römischen Palazzos, nur mit mehr Licht und weniger Protokoll.

Glamour mit Rückzugsgarantie

So sehr Valentino den Glanz liebte, so konsequent schützte er seine Privatsphäre. Die Medien verfolgten jeden seiner Sommeraufenthalte, doch der Modeschöpfer blieb unberechenbar: mal freundlich, zugewandt, fast verspielt – mal kühl, distanziert, unerreichbar. Wer ihn in Es Trenc schwimmen sah oder beim Erkunden abgelegener Inselwinkel, bekam meist nur einen flüchtigen Blick auf das Heck der „Blue One“. Mehr Öffentlichkeit ließ Valentino selten zu.

Valentino mit der Ex-Frau von Hollywood-Star Michael Douglas, Diandra in Puerto Portals

Ein besonders beachteter Moment spielte sich 2015 ab, als Schauspielerin Anne Hathaway mit ihrem Mann Adam Shulman an Bord der „Blue One“ durch das Mittelmeer cruiste. Auch damals zeigte sich: Mallorca war für Valentino kein Ort des Zufalls, sondern ein sorgfältig kuratierter Lebensraum – exklusiv, aber nie laut, luxuriös, aber nie protzig.

Der Modeschöpfer beim Baden am Strand von Es Trenc

Mit Valentinos Tod endet nicht nur eine Epoche der Haute Couture, sondern auch ein Kapitel der Inselgeschichte. Der Designer galt neben Giorgio Armani und Karl Lagerfeld als letzter der ganz Großen seines Fachs. Seine Roben kleideten Elizabeth Taylor, Julia Roberts, Jacqueline Kennedy Onassis – sein berühmtes „Valentino-Rot“ wurde zur Marke. Auf Mallorca hinterließ er keine Villen, keine Denkmäler. Aber etwas Dauerhafteres: die Erinnerung an eine Zeit, in der Glamour noch leise sein konnte.

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