Sein Name ist älteren Fans von Real Mallorca noch ein Begriff. Jordi Morey Vich gehörte Anfang der 1980er Jahre zu jener Mannschaft, die den Verein aus sportlich schwierigen Zeiten zurück in die höchste Spielklasse führte. Damals füllte sich das Stadion Lluís Sitjar, die Euphorie war groß. Heute liegt ein Teil dieser Vereinsgeschichte auf einer Parkbank im Stadtteil s’Escorxador.
Der 1959 in Palma geborene frühere Stürmer lebt nach eigenen Angaben seit einiger Zeit auf der Straße. Wer ihn erkennt, erlebt einen Mann, der mit seiner Vergangenheit ringt – und mit einer Gegenwart, die für viele kaum vorstellbar ist. „Ja, ich bin es“, sagt er leise, fast zögerlich, wenn ihn jemand anspricht. Gespräche seien selten geworden, Einsamkeit dagegen Alltag.
Zwischen Erinnerungen und Realität
Morey wirkt körperlich stark gezeichnet. Er ist sehr dünn, hat sichtbare Wunden an Händen und Beinen und kann sich nur schwer bewegen. Krankheiten wie Gicht und Arthrose setzen ihm zu. „Meine Knie schmerzen, ich kann meine Finger kaum bewegen“, sagt er. Medikamente könne er sich nicht leisten.
Dabei verlief sein Leben lange in geordneten Bahnen. Nach seiner Zeit bei Mallorca spielte er auch für andere Clubs wie Poblense, Levante und Córdoba. Später arbeitete er im Marketing und in der Kommunikation, übernahm schließlich sogar Verantwortung im sozialen Bereich seines ehemaligen Vereins. Ein Bruch, der ihn aus dieser Laufbahn riss, folgte später – Details dazu nennt er selbst nur vage. „Das Leben… ich habe Fehler gemacht, viele“, sagt Morey. Reue ist in seinen Worten deutlich zu hören. Gleichzeitig schwingt Scham mit: „Es fällt mir schwer, dass die Leute mich so sehen.“ Dennoch sei ihm inzwischen bewusst, dass er Hilfe brauche.
Alltag auf der Straße
Sein derzeitiger Lebensmittelpunkt ist eine Bank in der Nähe von Palmas ehemaligem Schlachthof s’Escorxador. Dort verbringt er die Nächte im Freien. Tagsüber hält er sich in der Umgebung auf, sucht gelegentlich ein Gesundheitszentrum auf oder nutzt öffentliche Einrichtungen wie Bibliothek und Toiletten. „Hier fühle ich mich mehr oder weniger sicher“, sagt er.
Der Alltag sei hart, körperlich wie psychisch. „Man schläft kaum, kann niemandem trauen“, beschreibt Morey. Die Angst vor Übergriffen gehöre ebenso dazu wie die ständige Unsicherheit. „Man denkt viel nach, fragt sich immer wieder: Warum bin ich hier?“ Trotz allem verfolgt er weiterhin das Fußballgeschehen. Ergebnisse, Trainerwechsel, Nachrichten – all das interessiert ihn nach wie vor. Doch selbst das wird schwieriger: Sein Handy ist ohne Guthaben, ein Radio besitzt er nicht mehr.
Hoffnung auf eine zweite Chance
Morey beklagt fehlende Unterstützung durch Sozialdienste. Er wolle Hilfe beantragen, wisse aber oft nicht, wie er vorgehen soll. „Ich habe nichts“, sagt er. Sein Wunsch ist schlicht: ein Dach über dem Kopf, medizinische Versorgung, eine Perspektive. „Ich bitte nur um eine weitere Chance“, sagt er und kämpft mit den Tränen. Ein Bett, eine Dusche, saubere Kleidung – für ihn sind es grundlegende Dinge, die derzeit unerreichbar erscheinen. „Ich habe den Tiefpunkt erreicht. Es kann nur noch aufwärts gehen.“
Seine Geschichte ist auch ein Beispiel dafür, wie schnell ein Leben aus der Bahn geraten kann – selbst bei Menschen, die einst im Rampenlicht standen. „Das ist ein Tod im Leben“, sagt Morey über seine Situation. „Niemand erinnert sich mehr an den Fußballer.“ Als das Gespräch endet, bleibt er zurück auf seiner Bank, neben sich eine Flasche Wasser und ein kalter Milchkaffee für den nächsten Morgen. Eine weitere Nacht unter freiem Himmel steht bevor – begleitet von Erinnerungen an bessere Zeiten und der Hoffnung, dass sich doch noch jemand erinnert.