Auf Mallorcas Nachbarinsel Ibiza ist ein stadtbekannter deutscher Resident ums Leben gekommen. Justin "Justus" Kullemberg war als Straßenmusiker in Ibiza-Stadt für seine Geigenklänge bekannt, seit fast 30 Jahren hatte er in der Altstadt performt und so seinen Lebensunterhalt verdient. Wie die MM-Schwesterzeitung "Periódico de Ibiza" berichtet, ist der Mann am Freitag, 13. Februar, verstorben. Die Hilfsorganisation "Cáritas Diocesana de Ibiza" widmete dem Bundesbürger einen Beitrag in den sozialen Netzwerken.
Seit seiner Ankunft auf der Insel im Jahr 2008 verbrachte der Deutsche Vormittage, Nachmittage und Nächte damit, in den Straßen Ibizas zu spielen – gegen freiwillige Spenden der Passanten. "Seine Geige war weit mehr als ein Instrument: Sie war seine Art, sich auszudrücken, zu teilen und auf andere zuzugehen. Durch seine Musik hinterließ er Momente voller Sensibilität und Menschlichkeit, die in unserer Erinnerung bleiben werden", schrieb die Cáritas in ihrem Nachruf.
Früher lag Freiheit in der Luft
Justin "Justus" Kullemberg gehörte zu jener Generation von Straßenkünstlern, die 2008 kamen, als die Straßen von Ibiza-Stadt von Straßenkunst überquollen: Sänger, Gitarristen, Bassisten, Jongleure und Akrobaten unterhielten die Touristen an den Abenden, bevor sie den Hut herumgehen ließen. Es war ihre Lebensweise. Künstler aus aller Welt verbrachten ihre Sommer auf der Straße – damals, als Wohnraum noch bezahlbar gewesen war. Es lag ein Gefühl von Freiheit in der Luft.
Nach und nach bündelte die Stadtverwaltung von Ibiza ihre Kräfte, um Straßenkünstler mit Bußgeldern zu belegen, und der Händlerverband des Hafens begann, Lizenzen für das Musizieren auf der Straße auszugeben. Einige erhielten sie, andere nicht. Die meisten dieser Künstler, müde von Strafen und Instrumentenbeschlagnahmungen, verließen die Insel in Richtung toleranterer Orte. Doch der deutsche Straßenmusiker Justin blieb.
Zur Kaffeezeit, zum Wermut oder zum Abendessen trat Justin auf die Terrassen und spielte klassische Stücke für die Gäste. Anschließend bat er höflich "um eine kleine Unterstützung für die Musik". So lebte er viele Jahre lang als deutscher Resident auf den Straßen Ibizas – bis zu seinem Tod am vergangenen Freitag.
Der Deutsche stammte aus Hamburg
2019 porträtierte der Filmemacher Xavi Herrero das Leben des deutschen Musikers in der Dokumentation "Geige 2019", einem 72-minütigen Film, in langsamem, kontemplativem Schwarz-Weiß gedreht, "der auf optimistische und schlichte Weise in Justins Intimsphäre eintaucht, unverblümt die konfliktreiche Beziehung zu seiner Schwester beleuchtet, in seine Heimatstadt Hamburg reist und in dem sein geheimes Projekt sowie seine Alkoholsucht thematisiert werden", wie der Autor 2020 erklärte.
Ibiza verliert mit dem Tod von Justus einen der letzten Straßenmusiker, die der Gentrifizierung, der Hinwendung zu einem Luxus-Tourismusmodell und den Härten des Straßenlebens standhielten. "Wir danken für den gemeinsamen Weg und für alles, was er uns mit seiner Präsenz geschenkt hat. Er wird immer Teil unserer Familie bleiben", schrieb Cáritas Diocesana in dem Nachruf.