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Ermittlungen auf Mallorca im Fall Fernandes-Ulmen: So sehr schützt das spanische Recht Frauen

Ein Gericht in Palma de Mallorca prüft aktuell die Vorwürfe um das deutsche Promi-Ex-Paar. Was Deutschland von Spanien lernen kann, wenn es um Deepfakes mit KI und Femizide geht

Collien Fernandes (r.) hat in Palma de Mallorca Anzeige gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen erstattet. (Archivbild) | Foto: Jörg Carstensen/dpa

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Der Fall um die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat in den vergangenen Tagen viele Menschen in Deutschland und Spanien erschüttert: Die 44-jährige Mallorca-Residentin hat schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben, er soll unter anderem mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Nacktbilder von ihr erstellt und diese jahrelang mittels Fake-Accounts unter ihrem Namen im Netz verbreitet haben. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.

Aktuell werden diese schweren Vorwürfe an einem Gericht in Palma de Mallorca geprüft. Unter dem Aktenzeichen DPA 1365/2025 laufen momentan Vorermittlungen, die am 2. Dezember 2025 eingeleitet wurden. Diese befinden sich in einem sehr frühen und nicht öffentlichen Stadium. In Spanien ist das Ermittlungsverfahren grundsätzlich vertraulich und nur den am Verfahren beteiligten Parteien zugänglich. Konkret soll es dabei um folgende Vorwürfe gehen: Die Geschädigte hat wegen mutmaßlicher Identitätsanmaßung, Verletzung von Privatgeheimnissen, öffentlicher Beleidigung, fortgesetzter Misshandlung sowie schwerer Bedrohung Anzeige erstattet.

Härteres Recht in Spanien

Dass die Verfahren im Fall Fernandes-Ulmen auf Mallorca anhängig sind, liegt nicht nur am festen Wohnort der beiden beteiligten Prominenten – sondern auch daran, dass das Sexualstrafrecht in Spanien Frauen und andere Opfer deutlich mehr schützt. Das bestätigte Collien Fernandes in der vergangenen Woche in einem Interview mit der öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung "Tagesthemen": "Wir haben uns sehr bewusst dafür entschieden, in Spanien zu klagen, weil in Spanien die Rechte von Frauen deutlich besser sind als in Deutschland. Das betrifft nicht nur die digitale Gewalt, sondern auch die häusliche Gewalt." Die Bundesrepublik hingegen bezeichnete sie als "Täterparadies".

Das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt wurde in Spanien bereits vor über 20 Jahren, und zwar 2004, verabschiedet. Seitdem existiert eine staatliche Beobachtungsstelle für häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt. Die aktuelle Gleichstellungsministerin Ana Redondo bezeichnet das Gesetz von 2004 als "revolutionär, wegweisend und internationalen Referenzpunkt". Technische Mittel wie elektronische Fußfesseln für Täter im Umfeld besonders gefährdeter Opfer werden in Spanien bereits seit mehr als 15 Jahren eingesetzt. Anfang 2024 waren landesweit über 4000 Systeme aktiv. In Deutschland wurde ein entsprechender Gesetzentwurf erst kürzlich auf den Weg gebracht.

Femizide in Spanien sinken

Im vergangenen Jahr wurden in Spanien nach Angaben des Gleichstellungsministeriums in Madrid 48 Frauen von Partnern oder Ex-Partnern getötet – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Erfassung im Jahr 2003. Zum Vergleich: In Deutschland, wo solche Fälle erst seit wenigen Jahren überhaupt offiziell erfasst werden, registrierte das Bundeskriminalamt BKA 2024 insgesamt 132 tödliche Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen. Diese werden als Femizide bezeichnet.

Ein zentraler Baustein sind spezialisierte Strukturen, die es zum Beispiel in Deutschland so immer noch nicht gibt: Praktisch jedes spanische Amtsgericht verfügt über eigene Kammern mit speziell ausgebildeten Richtern. Schulungen gibt es nicht nur für Richter und Anwälte, sondern auch für Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Polizisten. Landesweit stehen rund 60 Krisenzentren rund um die Uhr zur Verfügung, ergänzt durch Hotlines in über 50 Sprachen.

Polizei und Justiz in Spanien und auch auf Mallorca arbeiten im Umgang mit Betroffenen nach klaren Abläufen. Spezialisierte Einheiten folgen einem festen Protokoll, das auf jeder Wache gilt. Bereits bei einem Verdacht – selbst ohne Anzeige – müssen Maßnahmen ergriffen werden. Gerichte können innerhalb weniger Stunden Schutzanordnungen verhängen, bis hin zum 24-Stunden-Personenschutz.

Spanien geht gegen Deepfakes vor

Auch im Kampf gegen das relativ neue Phänomen der digitalen sexualisierten Gewalt geht Spanien voran. Während in anderen Ländern noch an Gesetzen gearbeitet wird, liegt in Madrid seit Januar ein Entwurf vor, der Deepfakes klar regulieren soll.

Nach dem spanischen Gesetzentwurf wäre es künftig verboten, Bilder oder Stimmen einer Person ohne deren Einwilligung mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu verwenden. Für Minderjährige unter 16 Jahren ist eine Zustimmung grundsätzlich ausgeschlossen. Für die Verbreitung drohen Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

Auslöser der Initiative waren Skandale wie an einer spanischen Schule. Dort hatten Jugendliche KI-Nacktbilder von Mitschülerinnen im Alter von 13 und 14 Jahren erstellt und über Chatgruppen verbreitet. Der Fall sorgte 2023 für riesige Empörung im Land, machte die Risiken neuer Technologien deutlich. Nach Angaben der Organisation Save the Children ist in Spanien etwa jeder fünfte Jugendliche, vor allem Mädchen, bereits Opfer solcher Fälschungen geworden.

Kampf gegen KI-Nacktbilder

Die Behörden in Spanien kommen unterdessen der Forderung vieler Experten nach, im Kampf gegen Deepfakes bestehende Paragrafen anzuwenden, ohne auf neue Gesetze zu warten: Im Herbst 2025 verhängte etwa die Datenschutzbehörde AEPD als erste in Europa gegen eine nicht namentlich genannte Privatperson ein Bußgeld von 2.000 Euro wegen der Veröffentlichung eines KI-generierten Nacktbildes. Die linke Regierung von Pedro Sánchez setzt derweil ihren Kampf gegen die Tech-Giganten fort: Kürzlich forderte sie die Staatsanwaltschaft auf, zu prüfen, ob X, Meta und Tiktok durch KI-Anwendungen Straftaten im Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt gegen Kinder begehen.

In Deutschland wird seit Tagen über dieses Thema diskutiert. Unter anderem demonstrierten am Sonntag in Berlin tausende Menschen, darunter viele Promis und Politiker. Hintergrund dieser Debatte sind schwere Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner Christian Ulmen, über die zuerst der "Spiegel" berichtet hatte. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich "in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung" handle. Zudem würden "unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet".

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