Der jüngste Bericht des Gesundheitsministeriums, der jegliche therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie ausschließt, hat auch auf Mallorca eine neue Debatte ausgelöst. Apotheken und Reformhäuser auf der Insel, wo diese Produkte weiterhin ganz normal verkauft werden, widersprechen den offiziellen Schlussfolgerungen und berufen sich auf ihre direkten Erfahrungen mit den Anwendern.
Der Bericht des Gesundheitsministeriums kommt zu dem Schluss, dass diese Präparate den Placebo-Effekt nicht übertreffen, und stellt ihre wissenschaftliche Grundlage in Frage. Darüber hinaus warnen Gesundheitsbehörden vor dem Risiko, wirksame Behandlungen durch homöopatische Mittel zu ersetzen. Doch in der Branche ist man der Ansicht, dass die Debatte noch offen ist.
"Menschen geht es besser"
In mehreren von der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" befragten Geschäften in Palma betonen die Fachleute, dass jenseits wissenschaftlicher Studien die Wahrnehmung der Patienten nach wie vor entscheidend sei. "Wir sehen täglich, dass es Menschen gibt, denen es besser geht. Das können wir nicht ignorieren", erklärt eine Apothekerin aus der Innenstadt, die ihren Namen nicht nennen möchte. "Die Wissenschaft mag das vielleicht nicht vollständig erklären, aber die Praxis sagt uns etwas anderes", fügt sie hinzu.
Ähnlich äußert man sich im Kräuterladen Vital Way an der Avenida Argentina, wo die Homöopathie einen bedeutenden Teil der Regale einnimmt. "Unsere Kunden kommen wieder, und das liegt daran, dass die Homöopathie wirkt und sie es spüren", bekräftigt der Geschäftsführer. "Wäre es nur ein Placebo-Effekt, gäbe es nicht so viel Kundentreue", argumentiert er. "Es gibt auch Ärzte, die Homöopathie empfehlen", merkt ein anderer befragter Apotheker an. "Das Thema ist noch lange nicht abgeschlossen."
Homöopathie als Ergänzung zur Schulmedizin
Einige Fachleute verweisen zudem auf das mangelnde Interesse, diese Art von Therapien mit derselben Intensität zu erforschen wie konventionelle Medikamente. "Es stehen keine großen Investitionen dahinter, und das wirkt sich auf die Anzahl der verfügbaren Studien aus", heißt es aus einem auf Naturprodukte spezialisierten Geschäft. Die mallorquinischen Apotheken betonen, dass ihre Empfehlung in der Regel ergänzender Natur ist. "Wir sagen niemandem, er solle seine Medikamente absetzen", stellen sie klar. "Die Homöopathie wird als Unterstützung eingesetzt, nicht als Ersatz."
Unterdessen wächst die Kontroverse weiter und spaltet sowohl Fachleute aus dem Gesundheitswesen als auch Verbraucher. Auch auf der Straße ist die Meinung alles andere als einhellig. "Ich benutze Homöopathie seit Jahren und sie tut mir gut", sagt eine Kundin beim Verlassen einer Apotheke. "Wenn sie nicht wirken würde, würde ich sie nicht mehr nehmen", schließt sie. Die Debatte um die Wirksamkeit von Homöopathie gibt es auch in Deutschland schon seit Jahren.