Was tut man nicht alles, wenn man als Rentner auf die 80 zugeht? Der eine spielt Bingo, der andere mit seiner Katze. Wieder andere gehen mit dem Wohnmobil auf Tour. Ich wurde mit 75 Uber-Fahrer in Montréal. In Kanada gibt es den Fahrdienst seit mehr als 14 Jahren, inzwischen auch auf Mallorca. Gerade hat sich Uber 20 Stellplätze im Ankunftsbereich des Flughafens Palma gesichert.
Der Dienst ist nicht unumstritten, die Taxi-Branche protestiert. Doch Konkurrenz belebt das Geschäft. Vielleicht sind die Taxis seitdem sauberer, die Fahrer freundlicher und die Preise niedriger geworden – wünschenswert wäre es. Joschka Fischer begann als Taxifahrer und wurde später Vizekanzler. Meine Laufbahn führte vom Kanada-Korrespondenten zum Uber-Fahrer. Ich denke, wir hatten beide unseren Spaß. Monatelang chauffierte ich Menschen aus aller Welt durch Montréal, wo ich seit 45 Jahren lebe.
Kaum ein Café, das ich nicht kenne, kein Boulevard, den ich nicht unzählige Male gefahren bin. Die Stadt ist größer als Berlin – und längst mein Zuhause. "Brauchst du Geld?", fragten Freunde besorgt. Die Wahrheit: Ich brauchte keins. Aber es ging mir auch nicht besonders gut. Ich wartete auf eine Operation, die mir vermutlich das Leben rettete. Dieses bange Warten zermürbt – Uber sorgte für Ablenkung.
Meine ersten Fahrgäste waren ein junges Paar auf dem Weg in die Innenstadt. Ich war nervös und sagte kein Wort. Am Ziel meinte die Frau, so entspannt sei sie noch nie Uber gefahren – "und dann auch noch in einem Mercedes". Als ich ihnen erzählte, dass sie meine ersten Gäste waren, wollte sie sofort ein Selfie. Das müsse sie ihrem Vater zeigen – der sitze den ganzen Tag vor dem Fernseher. Vielleicht, meinte sie, könne der ja auch Uber fahren.