Die Deutschsprachige Evangelische Gemeinde auf den Balearen trauert um ihren früheren Pfarrer Klaus-Peter Weinhold. Er starb am 1. Mai nach kurzer, schwerer Krankheit in Deutschland im Kreise seiner Familie. Weinhold wurde 72 Jahre alt. Anfang 2005 war der gebürtige Gießener nach Mallorca gekommen, direkt entsandt von der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD). Bei der Gemeindearbeit unterstützte ihn seine Frau Brigitte tatkräftig.
Groß und stattlich, mit sonorer Stimme und sympathischem Wesen eroberte er schnell die Herzen der deutschen Residenten. Als aus dem Kirchenvorstand altgediente Mitglieder ausschieden, warb Weinhold mehrere junge Familien an, deren Kinder gerade im Konfirmandenalter waren – eine Aktion, die viel frischen Wind in die Gemeinde brachte. Das Pfarrhaus in Arenal haben Weggefährten bis heute als einen offenen, herzlichen Ort in Erinnerung, den Brigitte Weinhold mit Gastfreundschaft und ihren Kochkünsten für viele zu einer vertrauten Anlaufstelle machte.
Jugendarbeit lag ihm besonders am Herzen
Neun Generationen von Konfirmanden betreute Klaus-Peter Weinhold, dem die Jugendarbeit besonders am Herzen lag. Freizeiten wurden nicht nur auf Mallorca, sondern auch zusammen mit anderen deutschen Auslandsgemeinden vom Festland organisiert. Unterstützt wurde Weinhold dabei von Eltern und seinen Winterpfarrern, unter anderem Konrad Beyer und Manfred Otterstätter.
Der Krankenhaus-Besuchsdienst wurde in der Zeit von Klaus-Peter und Brigitte Weinhold gegründet, in Zusammenarbeit mit José Rodriguez vom deutschen Sozial- und Kulturverein, und auch der Gefängnis-Besuchsdienst entstand in jener Zeit. Viele Familien wurden in den Jahren zu Freunden und halten der Gemeinde seither die Treue. Unzählige Taufen, Trauerfeiern und Trauungen begleitete Weinhold, manchmal waren es bis zu 150 Amtshandlungen pro Jahr, für die er unzählige Kilometer im Auto über die Insel zurücklegte. Aus dieser Zeit stammt auch die scherzhafte Selbsbeschreibung seiner Arbeit als „Kirche aus dem Kofferraum“.
Das Autofahren machte Weinhold nie etwas aus, zu Fuß war es beschwerlicher, denn die Knie des Ex-Volleyball-Nationalspielers hatten gelitten. 56-Mal spielte Klaus-Peter Weinhold in den 1960ern und frühen 1970er Jahren für die A-Nationalmannschaft. Als EKD-Sportpfarrer begleitete er von 1990 bis 2004 die deutschen Nationalmannschaften bei Sportereignissen – und war sieben Mal kirchlicher Begleiter bei olympischen Spielen.
Als Weinhold 2012 von den Ciudadanos Europeos zum Europäer des Jahres gewählt wurde, beschrieb ihn sein Freund und langjähriger Kirchenvorstandsvorsitzender Jan Marks in seiner Rede so: "Volleyball passt noch immer gut zu ihm. Immer bewegen, aufmerksam sein, in die Knie gehen, hochspringen, fliegen, ohne abzuheben, sich strecken und manchmal auch kräftig draufhauen. Genau das macht Klaus-Peter Weinhold noch heute, jeden Tag, wenn auch ohne Ball."
Neun Jahre an der Spitze der Gemeinde
Insgesamt neun Jahre leitete Weinhold die Geschicke der Balearengemeinde, und als er 2013 verabschiedet wurde, versammelten sich mehr als 200 Wegbegleiter zum Abschiedsgottesdienst. Vertreter der EKD, der Ökumene auf Mallorca, Konsulin Regina Lochner sowie Freunde und Familie verabschiedeten Klaus-Peter und Brigitte Weinhold damals in einer emotionalen Veranstaltung in Überlänge, bei der die Besucher zweieinhalb Stunden auf den harten Kirchenbänken ausharrten. Ein überraschender Gruß kam sogar aus Berlin: Der damalige Außenminister Guido Westerwelle schickte einen Brief an das Pfarrer-Ehepaar, in dem er ihnen für ihre Arbeit auf den Balearen und den Beitrag zur europäischen Inte-gration dankte.
Im Anschluss zog es den Pfarrer und seine Frau auf die nächste Insel. Er übernahm für vier Jahre die Gemeinde Ahlbeck auf Usedom. Zwischen Ruhepausen im heimatlichen Bad Salzdetfurth setzte der Pfarrer auch nach der Pensionierung seine Arbeit fort, zuletzt als Winterpfarrer auf Gran Canaria, in Dénia und immer wieder auch auf Usedom.
Für seine stete Bodenhaftung sorgte zeitlebens seine Frau Brigitte, die er als Theologiestudent in Hamburg kennengelernt hatte. In der Hansestadt schließt sich nun auch der Kreis. Am 22. Mai um 13 Uhr wird Klaus-Peter Weinhold in einem Trauergottesdienst in der Hauptkirche St. Katharinen verabschiedet. (am)