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Restaurants auf Mallorca

Tausende Deutsche kennen und lieben ihn: Beliebter Mallorca-Wirt geht in Ruhestand

Nach fast 30 Jahren als "gute Seele" des Hauses gibt der beliebte Insel-Gastronom Lorenzo Fricchione die Leitung des "Almare" an seinen Neffen Maurizio ab. MM hat beide zum Spritz getroffen

Onkel und Neffe: Lorenzo (l.) und Maurizio Fricchione im neugestalteten "Ovest al Mare" in Palma. | Foto: P. Lozano

| Palma, Mallorca |

Wenn Lorenzo Fricchione von seiner Heimat erzählt, werden seine Augen noch immer feucht. Ischia – die größte Insel im Golf von Neapel – steht zwar im Schatten ihrer mondänen Nachbarin Capri, gilt aber seit Jahrzehnten vielen Deutschen als Sehnsuchtsort und Kurparadies. Hier ist „Renzo“, wie ihn seine Freunde nennen, aufgewachsen: in Casamicciola, einem kleinen Ort zwischen Weinreben und Pfirsichbäumen, im Schatten des längst erloschenen Vulkans Epomeo und mit Blick auf das tiefblaue Meer, hinter dem sich am Horizont die Silhouette des Vesuvs abzeichnet.

"Die meisten jungen Männer dort wurden Seeleute", erzählt Renzo, inzwischen in seinen Siebzigern. "Ich erinnere mich noch gut daran, wie viele Jungen ihre Väter verabschieden mussten, wenn sie zur See fuhren – oft für Wochen, manchmal für Monate. Manche kehrten nie zurück." Wenn er von seiner Kindheit spricht – von gegrilltem Kaninchen, heißen Quellen im Sand, von den Gefangenen, die aus dem Moloch Neapel auf die kleine Nachbarinsel Procida gebracht wurden, und von Freunden, von denen viele heute nicht mehr leben –, wird der Mann im Rentenalter selbst wieder ein wenig zum Jungen.

Mit 16 Jahren von Ischia nach Berlin

Tatsächlich noch ein Junge war er, als er seine Heimat mit gerade einmal 16 Jahren verließ. "Ich wollte raus und irgendwo anders mein Glück finden." Also zog Fricchione mit einer Tante nach Berlin. Dort begann seine Karriere in der Gastronomie. "Ich habe mich durchgeschlagen und wurde Wirt", sagt er rückblickend. Zu seinen bekanntesten Lokalen sollte später unter anderem die Gelateria Veneziana am Alexanderplatz gehören.

Doch Ende der 1990er-Jahre änderte sich alles. "Ich kam 1998 nach Mallorca, um eine Krankheit zu behandeln", erzählt Renzo. Der Stress und die vielen Jahre in der Gastronomie hatten ihn gesundheitlich schwer gezeichnet. Nach mehreren Magenblutungen fand er auf der Insel schließlich neue Kraft. "Fünf Monate Mallorca – und ich war geheilt." Seit mehr als 25 Jahren brauche er keine Medikamente mehr.

In Palma eröffnete er schließlich im Stadtteil Ciudad Jardín das beliebte Almare und wurde dort über Jahrzehnte zur guten Seele des Hauses – zwischen Weinflaschen, Spritz, frischem Fisch und dampfender Pasta. "Es war einfach Schicksal. Ich habe mein ganzes Leben auf Inseln gelebt", sagt er lachend. "Ischia, West-Berlin und dann eben Mallorca." Und jetzt, nach fast 30 Jahren als "Uferwirt", zieht sich Renzo zurück. "Ich mache es kurz", sagt er. "Ich gehe in Rente."

Maurizio Fricchione übernimmt

Die Leitung des Restaurants wird künftig sein Neffe Maurizio Fricchione innehaben, der in Berlin bereits als Betreiber des Ovest la Pasta la Pizza im KaDeWe bekannt ist. Kein Wunder also, dass das Almare künftig Ovest al Mare heißt. Maurizio Fricchione übernimmt das Lokal allerdings nicht einfach als nächstes Projekt. "Mein Einstieg ist ganz natürlich entstanden", sagt der 52-Jährige. Obwohl er weiterhin in Berlin verwurzelt sei, habe er schon lange nach einem Ort am Meer gesucht – "mit mehr Lebensqualität und einer anderen Atmosphäre". Schon als er das Restaurant zum ersten Mal sah, hätten ihn die Lage, die Terrasse und das besondere Potenzial überzeugt. "Ich wollte keinen weiteren Restaurantbetrieb eröffnen, sondern einen Ort mit Seele schaffen, an dem sich die Menschen vom Morgen bis zum Abend wohlfühlen."

Künftig wird Fricchione zwischen Berlin und Mallorca pendeln. „Berlin bleibt beruflich und persönlich wichtig für mich”, sagt er. Gleichzeitig spiele Mallorca aber eine immer größere Rolle in seinem Leben. „Ich mag die Idee, zwischen zwei Welten zu leben: zwischen der Energie Berlins und der mediterranen Lebensqualität.”

Seine Vision für das Ovest al Mare beschreibt er als "authentisch, elegant, aber entspannt": klassische italienische Küche, guter Fisch, hochwertige Produkte, herzlicher Service und eine Atmosphäre, in die man immer wieder gerne zurückkehrt. Vor allem soll das Restaurant nicht nur Touristen anziehen, sondern auch ein Treffpunkt für die Menschen auf der Insel werden.

Dabei bleibt für ihn klar: "Renzo wird immer ein wichtiger Teil der Seele dieses Hauses sein – und auch weiterhin präsent bleiben." Die Gäste würden seinen Onkel lieben, sagt Maurizio, und genau diese Authentizität wolle er bewahren. Gleichzeitig setzt er auf persönliche Nähe. "Ich bin gerne unter den Menschen, spreche mit Gästen und kümmere mich selbst um die Atmosphäre." Die Seele des Lokals solle nicht verändert, sondern behutsam in eine neue Zeit geführt werden.

Die Gastronomie begleitet Maurizio Fricchione dabei seit seiner Kindheit. "Maurizio ist der Sohn meines Bruders Fedele, aber er war auch immer an meiner Seite", sagt Renzo. Mit 22 machte sich Maurizio selbstständig, mit 30 eröffnete er das Ovest Berlin , das über zwei Jahrzehnte zu den bekanntesten italienischen Restaurants in Charlottenburg gehörte. Und heute ist er eben mit dem Ovest im Berliner KaDeWe vertreten, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Vielleicht passt zu diesen verschiedenen Welten auch seine ganz persönliche Definition von Heimat, mit der er, was die Zahl der Insel angeht, seinen Onkel sogar übertrifft. "Ich habe das Gefühl, sogar zu vier Inseln zu gehören", sagt Maurizio Fricchione. Zu West-Berlin, "der symbolischen Insel" vor dem Mauerfall, zu Ischia, der Heimat seines Vaters und seines Onkels, zur französischen Île d’Oléron, von der seine Mutter stammt – und heute eben auch zu Mallorca.

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