Mehr als jedes vierte Haus, das auf Mallorca auf ländlichem Grund steht, verstößt möglicherweise gegen die Bauvorschriften zum Zeitpunkt ihrer Errichtung. Das ist eine der Erkenntnisse des Forschungsprojekts des Mallorquiners Miquel Rosselló Xamena an der amerikanischen Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT). Um zu diesem Schluss zu kommen, hat der junge Masterstudent in seiner Abschlussarbeit durch die Auswertung von Katasterdaten 55.256 Häuser untersucht.
Laut Rossellós Projekt "Casas que no existen" (Häuser, die es nicht gibt) scheinen 15.817 Häuser auf mallorquinischem ländlichen Grund illegal. Bei diesem Prädikat bezieht sich Rosselló meist auf die Grundstücksgröße, die das Mindestmaß unterschritt, das ab den 70er und 80er Jahren für den Bau von Häusern verlangt wurde. Im Durchschnitt haben diese Rossellós Projekt zufolge eine Fläche von 182,75 Quadratmetern Wohnfläche auf Grundstücken von 5712 Quadratmetern Land und wurden 1996 erbaut.
"Konservativ" geschätzt
Rosselló versichert, dass es sich bei den mehr als 15.000 Häusern um eine "vorsichtige" Schätzung handelt, da man sich bei der Untersuchung auf die Gebiete Mallorcas konzentriert habe, in denen das Gesetz beim Wohnungsbau am tolerantesten ist, und die rechtliche Prüfung Häuser außen vorlässt, die vor 1976 gebaut wurden, ein Jahr, "in dem die Vorschriften klarer sind".
Rosellós Arbeit gibt einen Überblick über die städtebauliche Transformation der ländlichen Gebiete Mallorcas im Laufe der Jahre. "Es gab eine Ausbreitung auf ländlichen Flächen, der wir als Gesellschaft nicht mit einem gemeinsamen Projekt begegnet sind", so der Forscher. Mallorca sei schon immer geprägt gewesen von Palma als der wichtigsten Stadt im Süden sowie einer Reihe von Dörfern im Rest der Insel, die seit dem Tourismusboom ein bemerkenswertes Wachstum erlebten, mit der Entstehung neuer Siedlungskerne, "wo zuvor nur zwei Fischerhäuser standen". Doch jenseits des städtischen Mallorcas habe auch das ländliche, das nicht als "bebaubar" galt, den Einzug der Bauwirtschaft erfahren.
Wachstum der Landhäuser
Früher sei das ländliche Gebiet das Territorium landwirtschaftlicher Betriebe gewesen, und die einzigen Bauten seien diejenigen gewesen, die mit dieser Tätigkeit in Verbindung standen. Doch diese Häuser außerhalb der Stadt hätten sich immer mehr verbreitet, oft als Zweitwohnsitz oder für Touristen, während die Landwirtschaft an Bedeutung verloren habe. Und allzu oft sei diese gesamte Entwicklung "informell" gewesen.
Die Ergebnisse von "Casas que no existen", an dem 67 Personen mitgewirkt haben, können online (cqne.cat) eingesehen werden, mit dem Ziel, dass es ein "Werkzeug der Transformation" wird, das Aktivisten, Wissenschaftlern und so weiter zur Verfügung steht. Das Projekt wurde mit Unterstützung des MIT Center for Social Impact und dank eines Stipendiums der Stiftung La Caixa entwickelt.