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Wohnungsnot

"Aber immerhin kann man in der Küche schlafen": 1200 Euro für ein Mini-Studio löst Empörung auf Mallorca aus

Ein Mietinserat aus s'Arracó zeigt, wie weit sich der Immobilienmarkt auf der Insel von der Lebensrealität vieler entfernt hat

Foto zur Mietanzeige des Mini-Studios. | Foto: Facebook

| Mallorca |

Ein unscheinbares Mietangebot hat auf Mallorca eine große Debatte ausgelöst: Für ein Studio im kleinen Ort s'Arracó werden 1200 Euro monatlich verlangt. Was der Anbieter als "gemütlich" und "zentral gelegen" beschreibt, sorgt in sozialen Netzwerken für Spott, Wut und Resignation. Für viele ist das Inserat längst kein Einzelfall mehr, sondern ein Symptom eines außer Kontrolle geratenen Wohnungsmarktes.

Das Angebot liest sich zunächst wie ein typischer Anzeigentext: ein helles Studio, separates Bad, private Terrasse, ruhige Umgebung. Die Nähe zu Andratx und Küstenorten wird betont, ebenso die gute Anbindung an Infrastruktur im Dorf. Verfügbar ab Mai, mit Option auf Verlängerung – eigentlich ideale Voraussetzungen für alle, die auf der Insel leben oder arbeiten wollen.

Wohnen wird zur finanziellen Zerreißprobe

Doch der Preis sorgt für den eigentlichen Aufreger. 1200 Euro monatlich, dazu zwei Monatsmieten Kaution und Nebenkosten obendrauf – für viele Einheimische und Arbeitnehmer auf Mallorca schlicht unbezahlbar. In den sozialen Medien rechnen Nutzer vor, dass diese Miete je nach Einkommen bis zu 100 Prozent eines durchschnittlichen Gehalts verschlingen kann.

Die Kommentare fallen entsprechend drastisch aus. "Ideal für eine Einzelperson? Dann bleibt kein Geld mehr zum Leben", schreibt eine Nutzerin. Andere machen sich über die Größe lustig: "Aber immerhin kann man in der Küche schlafen." Der Ton schwankt zwischen Ironie und offener Empörung – und trifft einen Nerv, der weit über dieses eine Inserat hinausgeht.

Ein Markt, der seine Bewohner verdrängt

Kritiker sprechen von einer "Barbarei" und fragen, wie sich diese Entwicklung noch steigern soll. Tatsächlich warnen Experten und Interessenverbände seit Jahren vor genau diesem Szenario: steigende Preise, immer mehr Saisonvermietungen und ein wachsender Druck durch internationale Nachfrage. Der Wohnraum wird knapper – und teurer.

Für viele Mallorquiner und Zugezogene, die auf der Insel arbeiten, wird die Wohnungssuche zur existenziellen Herausforderung. Was früher als begehrtes, aber erreichbares Lebensziel galt, entwickelt sich zunehmend zum Luxusgut. Das virale Inserat aus s'Arracó ist deshalb mehr als nur ein Einzelfall – es ist ein weiterer Beleg für eine Entwicklung, die Mallorca nachhaltig verändert.

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