Nachdem Daniel Voelker zehn Jahre lang die Welt bereist hatte, stellte der deutsche Künstler in der Ferne immer wieder fest, dass es ihn zurück nach Europa zog. Da hatte der Hesse aus Frankfurt bereits auf Bali, in Mexiko und in den USA gelebt und wollte sich mit Frau und Kind niederlassen. Der 1977 Geborene hat einen familiären Bezug zu Spanien und war auf der Suche nach einer lebendigen Kunstszene, um seine Werke mit Preisen im fünfstelligen Bereich zu verkaufen. "Mallorca hat alle Kriterien für diesen Ort erfüllt, den ich suchte", sagt Voelker.
Daniel Voelkers Markenzeichen sind großformatige Porträts, die er aus Briefmarken zusammensetzt. Zwischen 10.000 und 20.000 von diesen sind dafür nötig. "Zu meinen Porträt-Motiven komme ich, weil mich Menschen einfach sehr interessieren", erklärt Voelker, bevor er den Prozess der Arbeit an seinen Werken schildert: Nach der Idee zu einem Bild füllt Voelker seine Briefmarkensammlung auf. "Die kenne ich mittlerweile ganz gut." Bereits seit fast 20 Jahren widmet sich der Deutsche dieser Kunstform. Einen Teil seines Vorrats verdankt er Bekannten, die ihm die alten Sammlungen von Verwandten überlassen. Mit der ungefähren Vorstellung, welche Briefmarken Voelker für seine Bildidee braucht, sucht er sich die entsprechenden aus seinem Fundus. In Briefmarken-Alben sortiert Voelker die einzelnen Komponenten von Augen, Nase und so weiter vor, bevor er die Marken auf eine Aluverbundplatte klebt. Mittlerweile braucht Voelker zwischen zwei und drei Monaten für eine Arbeit.
Bevor Daniel Voelker sein Spezialgebiet fand, studierte er an der Fachakademie für Fotodesign in München und begann anschließend, als Mode- und Porträtfotograf zu arbeiten. In der Folge wandte er sich zunehmend der Kunst zu und hatte 2006 in Miami Beach seine erste Ausstellung. "Ich habe einmal ein großes Foto gesehen, das aus vielen kleinen Fotos zusammengesetzt war", erinnert sich Voelker, wie er auf die Idee zu seinem ersten Briefmarkenbild kam: Nach einem Umzug seiner Mutter gelangte deren alte Briefmarkensammlung in seine Hände und weckte sein Interesse. "Ich fand auch deren Geschichte interessant: In jeder Dekade gab es andere Ereignisse oder berühmte Personen, die auf Briefmarken festgehalten wurden – und damit im Prinzip die Kultur einer Nation. Außerdem sieht man anhand ihres Stils, was damals gerade in Mode war." Nachdem er sich ein Jahr lang einen Grundschatz an Briefmarken angeeignet hatte, war sein erstes Werk über drei Mal drei Meter fertig.
"Als Deutscher habe ich natürlich viele deutsche Briefmarken", sagt Daniel Voelker, für dessen Sammlung es ein großer Vorteil ist, nach der Wende auch auf solche der DDR zugreifen zu können. Er plant, in ein, zwei Jahren ein Bild ausschließlich mit spanischen Briefmarken anzufertigen. Voelker ist es wichtig, dass alle Briefmarken eines Bildes gleich groß und abgestempelt sind, "damit sie Geschichte in sich tragen. Mir gefallen diese Tradition, die Sehnsucht nach dem Alten, dieses Slow Living, Briefe zu schreiben. Ich überlege mir, wer die Absender waren und wer die Empfänger, was in diesen Briefen stand. Dadurch und durch ihr Motiv hat jede Briefmarke eine Geschichte!"
Von Prominenten zu monochromen Werken
Daniel Voelkers frühe Werke zeigen die Gesichter von berühmten Personen wie James Dean oder Rihanna. Der Frankfurter erklärt: "Durch meine Vergangenheit als Mode- und Porträtfotograf habe ich mich am Anfang meiner Arbeit verstärkt mit den Supermodels der 90er Jahre beschäftigt." Seit 2020 stellt Voelker unbekannte Menschen in seiner Kunst dar. Neben den Porträt-Werken umfasst sein Portfolio auch abstrakte Bilder, aus jeweils immer der gleichen Briefmarke, die eine einfarbige Fläche ergibt.
Bevor Daniel Voelker zum ersten Mal nach Mallorca kam, kontaktierte er andere Künstler auf der Insel, um sie nach einem Kennenlernen zu fragen. "Die Antwort war immer positiv", so der Deutsche. "Die Leute hier sind so offen und anderen Künstlern zugeneigt!" Sowieso ist Voelker von Mallorca begeistert: In den ersten zwei Monaten seines Aufenthalts auf der Insel hätten er und seine Familie 45 Orte besucht und seien mehrere Tausend Kilometer gefahren. "Ich verbinde mit Mallorca Freiheit und Energie", schließt Voelker. "Ich habe hier wahnsinnig viel Lust, zu tun und freue mich beim Zubettgehen schon darauf, am nächsten Morgen wieder aufzustehen!"