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"Wir können nicht tatenlos zusehen"

Stefan Erdmann fand eine fast zu Tode misshandelte Hündin in einem Müllcontainer

Aus dem Müllcontainer in ein neues Leben: Carla am Tag ihres Auffindens und mit dem neuen Herrchen Stefan Erdmann. | Foto: privat

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Mit wedelndem Schwanz kommt Carla aus ihrem Hundekorb, hüpft freudig um die Besucher herum und stupst ihren hübschen, schmalen Kopf gegen Beine und Hände, so, als wolle sie zum Streicheln und Spielen einladen. Noch vor einer Woche war die schwarze Hündin fast tot.

Wie durch ein Wunder überlebte sie eine schwere Misshandlung, zu verdanken hat sie ihre Rettung dem Deutschen Stefan Erdmann. Am 7. Februar ging der Bewohner von Son Macià - wie jeden Morgen - gegen 6.30 Uhr mit seinem Hund spazieren. "Ich kam an einem Müllcontainer vorbei, und hörte ein röchelndes Geräusch." Ein Blick in die Tonne offenbarte ein grauenvolles Bild: "Ich sah einen hellen, mit Blut getränkten Kunststoffsack, zugebunden und in den Container gestopft, aus dem eine schwarze Pfote und ein Schwanz ragte." Keine Bewegung, nur ein schweres Atemgeräusch verriet ihm, dass das Tier noch lebte.

Kurzerhand klingelte Erdmann den Dorfpolizisten Tomás Sureda aus dem Bett, zusammen schafften sie den Sack mit dem halb toten Hund vorsichtig in ein Auto und anschließend in die Zooklinik von Manacor. Mehrere Messerstiche in den Nacken, schwere Schläge auf den Kopf, Hirnquetschung, Hämatome und Erfrierungen diagnostizierten die Tierärzte, und fingen an, den Hund zu behandeln.

Das Entsetzen über die grausame Tat teilten Erdmann und die Ärzte schnell mit der halben Insel. "Wir haben die Nachricht über diese Gräueltat sofort an zahlreiche Tierschutzverbände und übers Internet an Privatpersonen weitergeleitet, in der Hoffnung, vielleicht den Besitzer des Tieres ausfindig zu machen", erzählt Stefan Erdmann.

Der mutmaßliche Täter wird nun auch von der Polizei gesucht, doch mehr Hoffnung setzten Tierschützer auf Hinweise von Nachbarn oder Einwohnern, die vielleicht jemanden kennen, der einen schwarzen Hund vermisst. Laut Tierklinik ist Carla - wie ihr neuer Besitzer sie taufte - ein "Pastor Mallorquín", etwas kleiner und schmaler als ein deutscher Schäferhund und rund sieben bis acht Jahre alt.

Der mallorquinische Tierschutzverband "Sociedad Protectora de Animales y Plantas de Mallorca" (SPAP) setzte nun eine Belohnung aus für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. "Wir rechnen kaum damit, den Verantwortlichen zu finden, da er wahrscheinlich nicht aus der Gegend von Son Macià ist", sagt SPAP-Vorsitzende Carmen Rojas. "Aber dieser Fall ist so grausam gewesen, dass wir nicht einfach tatenlos zusehen können."

Wenn Polizei, Nachbarn, Medien und Tierschutzvereine alarmiert würden, schrecke dies vielleicht künftig andere Menschen von derartigen Taten ab, hofft die Tierschützerin. Wer Hinweise auf den Besitzer habe, könne sich - auf Wunsch auch anonym - an den Verein unter den Telefonnummern 971- 47 0060 oder 971-101634 wenden.

Finanzielle Hilfe wurde dem neuen Hundevater kurz nach Bekanntwerden der Nachricht auch schon zuteil. Ein Deutscher aus Bendinat, der unbekannt bleiben möchte, habe unter Freunden knapp 500 Euro für Carla gesammelt, sagt Erdmann. "Damit habe ich die Behandlungskosten der Klinik, die mir 50 Prozent erlassen hat, wieder raus", sagt der gelernte Elektriker erleichtert.

Drei Tage nach dem Fund konnte Stefan Erdmann die schwarze Hündin mit nach Hause nehmen, die Genesung ging erstaunlich schnell voran. Nur eine Klammer im Kopf und der staksige Schritt erinnern noch daran, dass jemand versucht hat, sie zu töten. Mentale Schäden habe sie scheinbar nicht behalten, sagt Erdmann, denn Carla sei sehr zutraulich und anschmiegsam. Und ein Blick in ihre dunklen Hundeaugen macht es unmöglich zu verstehen, wie jemand diesem Tier das antun konnte.

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