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Für den Zug nach Artà wird weiter gekämpft

Bis in die Abendstunden wird die Vía Verde auf Mallorca von zahlreichen Spaziergängern genutzt. Foto: Sophie Mono

| Artà, Mallorca |

Seit dem Regierungswechsel im Mai dieses Jahres machen die betroffenen Gemeinden Manacor, Son Servera, Artà und Sant Llorenç auf Mallorca wieder aktiv Druck bei der Balearen-Regierung: Die 1977 stillgelegte Bahnstrecke soll wiederbelebt werden. Die neue Balearen-Regierung steht voll hinter den Reaktivierungsplänen für die Eisenbahn und kämpft bei der Zentralregierung in Madrid um finanzielle Mittel - ohne die das Projekt nicht umzusetzen ist.

"Wir sprechen von 400 Millionen Euro", sagt der balearische Verkehrsgeneraldirektor Jaume Mateu (PSOE) im Gespräch mit dem MM. Die Verhandlungen laufen, versichert er. "Wir kämpfen für den Zug. Aber ich gehe davon aus, dass wir vor der Parlamentswahl im Dezember keinen Cent bekommen."

Artàs Bürgermeister Bartomeu Gili (PI) sieht die Schuld daran auch bei der Balearen-Regierung. "Sie gibt dem Projekt nicht die angemessene Rückendeckung", beklagt er und wünscht sich mehr Nachdruck bei den Verhandlungen. "Momentan sehe ich keinen realistischen Einsatz auf kurze Sicht."

Hans Joachim Keiter bringt allein die Vorstellung zur Weißglut, dass die Bahnpläne tatsächlich einmal Wirklichkeit werden und die Bahn zurückkehren könnte. "Das ist doch krank, jetzt diskutieren die schon wieder darüber, das ist unverschämt und dreist." Keiter verwaltet ein Anwesen, durch das die Bahntrasse verläuft. Er musste mit ansehen, wie die Mitte-Linksregierung von 2007 an die Wiederinbetriebnahme der alten Strecke anging und Aufträge in Höhe von 90 Millionen Euro vergab. Nicht zuletzt auf seinem Grundstück begannen die Bauarbeiten. Dort wurde eine Unterführung errichtet, eine Straße gebaut, Bäume gefällt und Zäune abgerissen. Wenig später stoppten die Arbeiten: Madrid drehte den Geldhahn zu. Wieder konnte Keiter wie viele andere Grundstücksbesitzer nur zusehen, als die konservative Regierung ab 2011 die Vía Verde in die Wege leitete: Eine begrünte Strecke, die es ermöglicht, dass statt des Zuges Jogger, Fahrradfahrer und Spaziergänger die 29 Kilometer lange Strecke zwischen Manacor und Artà nutzen können. 5,5 Millionen Euro investierte die damalige Balearen-Regierung, um auf der halbfertigen Trasse die Vía Verde zu errichten.

"Die Vía Verde ist fantastisch, sie ist ein schöner, sicherer Wanderweg mit toller Aussicht, der täglich von unzähligen Personen genutzt wird", betont Keiter. Erst vor Kurzem sei damit begonnen worden, die für die Bahn errichtete Unterführung zuzuschütten und die eigens angelegte Straße wieder zu entfernen. "Endlich wird etwas getan. Ich dachte, jetzt kehrt Ruhe ein. Aber wenn nun doch wieder diskutiert wird, ob der Zug zurückkommen soll und noch einmal alles umgebaut wird, dann ist das eine Zumutung", schimpft er. "So viel Geld kann man doch gar nicht rausschmeißen."

Dass die Vía Verde auf Mallorca mittlerweile als weiterer Grund gegen die Zugpläne gilt, können auch die Befürworter nicht leugnen. "Sie ist sehr wichtig für viele Bürger geworden", gibt der Rathauschef von Sant Llorenç, Mateu Puigròs (GISCa), zu. Wie seine Mitstreiter sieht er jedoch die Koexistenz von Wanderweg und Bahnstrecke als ideale Lösung an. Abstriche müsste die Vía Verde dann aber in jedem Fall machen: Nicht an allen Wegstellen ist es technisch und logistisch möglich, beides parallel laufen zu lassen. "Einen Teil der Vía Verde müssten wir wieder wegnehmen, falls die Zugpläne durchkommen", bestätigt Generaldirektor Jaume Mateu.

Er stützt sich bei seiner Argumentation wie auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden auf das Wohl der Einwohner. "In erster Linie käme die Bahn den Residenten zugute", betont er. "Teile der Bevölkerung fordern sie." Auch Artà-Bürgermeister Gili pocht darauf: "Natürlich wäre es auch eine Touristenattraktion, aber vor allem verbessert es die Lebensqualität der Bewohner und schafft eine wirtschaftliche, moderne und nachhaltige Möglichkeit öffentlichen Transports." Marcel Pich, Rathaussprecher aus Manacor, pflichtet dem bei: "Der Zug ist eines der effizientesten Verkehrsmittel und die Insel braucht einen umfassenden Mobilitätsplan."

Anwohner Hans Joachim Keiter kann darüber nur den Kopf schütteln. "Es hat nie eine Machbarkeitsstudie für die Wirtschaftlichkeit des Zuges gegeben. Die Vía Verde dagegen wird von Touristen und Residenten angenommen. Wenn sie etwas mehr beworben und gepflegt würde, dann wäre sie für alle das Beste."

(Aus MM 41/2015)

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