Eigentlich führt Nerea Martín ein ganz normales Leben: Die 30-Jährige wurde in auf Mallorca geboren, hat hier immer gelebt, ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Doch seit Sommer 2024 steckt sie in einem bürokratischen Albtraum, der ihr Leben völlig durcheinandergebracht hat ...
Alles begann im August 2024, als Nerea mit ihrer Familie einen Ausflug in den Freizeitpark Portaventura bei Barcelona plante. Zwei Tage vor dem Flug stellte sie fest, dass ihr Personalausweis (DNI) verschwunden war. Zunächst ging sie von einem simplen Verlust aus und beantragte einen neuen Ausweis bei der Nationalpolizei.
Doch Monate später kam die erschreckende Wahrheit ans Licht: Eine Verwandte hatte ihr den Ausweis gestohlen und offenbar an Kriminelle verkauft. Mit den Daten wurden Verträge abgeschlossen, Schulden verursacht und sogar ihr Wohnsitz manipuliert.
"Mein Mann und ich fanden heraus, dass jemand in meinem Namen bei Movistar einen Vertrag für Internet, Fernsehen und ein Handy abgeschlossen hatte – alles an der Adresse der Person, die mir den Ausweis gestohlen hatte", erzählt Nerea.
Plötzlich in Barcelona gemeldet
Der Schock wurde noch größer, als sie im Januar 2025 erfuhr, dass sie gar nicht mehr in Palma, sondern seit dem 16. August 2024 in Barcelona gemeldet war. "Ich wollte im Rathaus nachsehen und dort sagte man mir, dass ich in Palma abgemeldet worden sei", berichtet sie. Für die damals Schwangere ein schwerwiegendes Problem: Neugeborene werden automatisch an dem Wohnsitz registriert, an dem die Mutter gemeldet ist.
Zwar konnte sie sich nach kurzer Zeit wieder in Palma anmelden, doch die Probleme hörten damit nicht auf. Einige Monate später meldete sich die Polizei erneut, diesmal aus Tarragona: Laut Unterlagen habe sie dort eine eingetragene Lebenspartnerschaft. Beim Notar stellte sich heraus, dass sogar zwei solcher Verbindungen in ihrem Namen eingetragen wurden – offenbar, um ausländischen Partnern Vorteile durch die Verbindung zu einer Spanierin zu verschaffen.
Immer wieder abgemeldet
Zu allem Überfluss wurde Nerea erneut ohne ihr Wissen in Barcelona registriert – und jedes Mal gestaltete es sich schwierig, in Palma wieder angemeldet zu werden. "Man meldet mich einfach ab, wann immer man will, und macht mir dann das Leben schwer, wenn ich wieder nach Mallorca zurück ins Register will", klagt sie. Kurz vor der Geburt ihres Kindes gelang es ihr schließlich, den Wohnsitz erneut auf Mallorca eintragen zu lassen. Doch die beiden betrügerischen Lebenspartnerschaften bestehen weiterhin. Nerea wartet nun auf ein Gerichtsurteil, das die falschen Einträge für ungültig erklären soll.
"Ausgeliefert und ohne Ausweg"
Die junge Mutter fühlt sich in ihrer Existenz bedroht: "Ich stehe da wie in einer Sackgasse – ausgeliefert und ohne Schutz." Besonders bitter: Durch die ständigen Manipulationen hat sie ihre Melde-Vorrangigkeit verloren. Damit ist es ihr derzeit nicht möglich, den Status als kinderreiche Familie zu beantragen, obwohl sie drei Kinder hat. "Es ist, als ob mir jemand meine Identität Stück für Stück genommen hätte", sagt Nerea – und hofft, dass die Justiz ihrem Albtraum bald ein Ende setzt.