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Dauerthema Wohnungskrise auf Mallorca: Experten fordern strukturelle Reformen

Einigkeit besteht darüber, dass einem begrenzten Angebot eine ungebrochen hohe Nachfrage gegenübersteht. Von Mietpreisdeckelung und staatlichen Eingriffen in das Privateigentum halten Branchenkenner wenig.

Wohl dem, der es sich leisten kann, in Mallorcas Hauptstadt Palma zu leben. | Foto: Alejandro Sepúlveda

| | Palma, Mallorca |

Die grassierende Wohnungsnot wird auf Mallorca auch im neuen Jahr des beherrschende Thema sein: Nach offiziellen Schätzungen laufen 2026 mehr als 24.400 Mietverträge auf den vier bewohnten Inseln aus. Gleichzeitig haben sich die Preise für Kauf- und Mietwohnungen in den vergangenen fünf Jahren massiv erhöht. Eine Entspannung ist nach Meinung von Branchenexperten vorerst nicht in Sicht.

Der Kern des Problems ist schnell ausgemacht: Ein knappes Angebot trifft auf eine ungebrochen hohe Nachfrage. Schnelle Lösungen gibt es nicht. "Man muss sich bewusst sein, dass es sich nicht um ein exklusives Problem der Balearen handelt, sondern um ein Phänomen, das fast alle europäischen Städte betrifft", sagt José Miguel Artieda, Präsident des Maklerverbands API.

Artieda plädiert für finanzielle Anreize, damit Eigentümer ihre Wohnungen wieder auf den Markt brächten, sowie für Unterstützung einheimischer Mieter. Langfristig hält er einen staatlichen Grundsatzkompromiss für notwendig: Der Anteil öffentlicher geförderter Wohnungen müsse von derzeit rund drei Prozent auf das EU-Durchschnittsniveau von etwa zehn Prozent steigen. Diese Wohnungen sollten dauerhaft dem Markt entzogen bleiben. Eingriffe in das Privateigentum lehnt er ab, da diese "Investitionen abschreckten".

Sandra Verger, Generaldirektorin des balearischen Bauunternehmerverbands, sieht das Hauptproblem auf der Angebotsseite. "Es ist unumgänglich, Baugrundstücke schneller zu erschließen und die zulässige Bebauung konsequent auszuschöpfen", sagt sie gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Neue Flächen zu versiegeln, sei nicht zwingend notwendig. Nach ihrer Einschätzung könne nur eine deutliche Ausweitung des Angebots zu sinkenden Preisen führen. "Der Staat muss sich auf private Investoren stützen und jahrelang blockierte Projekte voranbringen." Kritisch äußert sich Verger zur steuerlichen Belastung, denn: Bis zu ein Viertel des Endpreises entfalle auf Abgaben.

Der Ökonom Pau A. Monserrat teilt die Einschätzung, dass nur "langfristige, strukturelle Ansätze helfen". Im Zentrum müsse ein massiver Ausbau des öffentlichen oder preisgebundenen Mietwohnungsbaus stehen. Von Eingriffen in den Markt hält er wenig: Beschränkungen für EU-Käufer seien rechtlich unzulässig, Mietpreisdeckel könnten ohne Angebotsausweitung kontraproduktiv wirken. Sein Fazit: Eine nachhaltige Entlastung lasse sich nur erreichen, wenn das Angebot deutlich wachse – nicht durch künstliche Eingriffe in die Nachfrage.

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