Der Dicke ist weg. Am 22. Dezember hat "El Gordo" wieder Milliarden verteilt, Kinder gesungen, Erwachsene geweint und Familien WhatsApp-Gruppen in Freudentaumel oder betretenes Schweigen gestürzt. Für die meisten blieb es wie immer: viel Hoffnung, wenig Geld. Doch Spanien wäre nicht Spanien, wenn nach Weihnachten nicht noch eine zweite Chance käme. Am 6. Januar folgt "El Niño", das Kind. Kleiner im Namen, freundlicher in der Statistik.
Denn während der Weihnachts-Gordo mit seiner schieren Wucht beeindruckt, setzt El Niño auf das Prinzip Trostpflaster. Aus mathematischer Sicht ist das sogar ziemlich tröstlich. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt etwas zu gewinnen, liegt bei der Januar-Lotterie bei rund 7,8 Prozent. Beim Gordo sind es nur gut fünf Prozent. Klingt nach wenig? Ist aber, statistisch gesehen, ein Unterschied von satten 37 Prozent. Die Universität Salamanca hat nachgerechnet – und Fortuna nickt.
Warum das so ist, lässt sich ohne Taschenrechner erklären. Erstens: El Niño verteilt mehr kleine Preise. Viel mehr. Rund 37.900 Gewinnnummern stehen im Januar gut 15.000 im Dezember gegenüber. Zweitens: Es werden deutlich weniger Lose verkauft. Während vor Weihnachten rund 18,5 Millionen Zehntellose im Umlauf sind, sind es bei El Niño nur etwa 5,5 Millionen. Weniger Konkurrenz, mehr Trostpreise – so einfach kann Glück sein.
El Niño: Gewinnchance 7,8 Prozent
Der Haken? Natürlich gibt es einen. Die großen Summen liegen weiter unterm Weihnachtsbaum. Der Hauptgewinn am 22. Dezember beträgt vier Millionen Euro pro Serie, bei El Niño nur die Hälfte. Wer also vom Ruhestand mit Jacht träumt, ist beim Gordo besser aufgehoben. Wer hingegen einfach nur mal gewinnen möchte – irgendwas, irgendwas! – der sollte dem Kind eine Chance geben.
Und der ganz große Traum? Der bleibt gleich unrealistisch. Die Wahrscheinlichkeit, den Hauptpreis zu holen, liegt bei beiden Lotterien bei exakt 0,00001 Prozent. Einer gewinnt. Wahrscheinlich nicht Sie. Aber jemand. Immerhin. Bleibt letztendlich die nüchterne Erkenntnis: El Niño ist nicht großzügiger, nur zugänglicher. Er verspricht weniger, hält aber öfter Wort. Und das ist, gerade nach Weihnachten, vielleicht die ehrlichere Form von Glück.