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131 BOOTSFLÜCHTLINGE ZU JAHRESBEGINN

Irreguläre Migration "untragbar geworden": Mallorca fordert Madrid zum Handeln auf

In den ersten vier Tagen des neues Jahres zählten die Behörden 131 irregulär eingereiste Flüchtlinge. Palma spricht von einer "dramatischen Entwicklung" und von strukturellen Problemen.

Von Migranten zurückgelassenes Boot vor Mallorca | Foto: Archiv

| Palma, Mallorca |

In Sachen unkontrollierter Einwanderung auf Mallorca hat sich in den ersten Tagen des neuen Jahres der Trend des Vorjahres fortgesetzt. Nach Angaben der balearischen Landesregierung sind allein in den ersten vier Januartagen 131 Menschen in Booten auf den Inseln angekommen. Der Generaldirektor für Migration der Regionalregierung, Manuel Pavón, sprach von einer "dramatischen Entwicklung" und erneuerte den Hilferuf an die spanische Zentralregierung. "Die Situation ist untragbar", sagte er am Montag gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".

Zum Vergleich verwies Pavón darauf, dass im gleichen Zeitraum des Vorjahres 97 Migranten registriert worden seien. Insgesamt kamen 2025 nach offiziellen Angaben mehr als 7.300 Menschen über die sogenannte Balearenroute nach Spanien. Die jüngsten Zahlen lassen erwarten, dass sich der Trend 2026 fortsetzt.

Es handele sich längst nicht mehr um ein "vorübergehendes Phänomen", sondern um ein strukturelles Problem. "Wir sprechen nicht mehr von Einzelfällen oder einer kurzfristigen Lage, sondern von einem gefestigten, dauerhaften Problem, das uns große Sorgen bereitet", sagte Pavón. Organisierte Schleuserbanden würden sich dabei "an der menschlichen Verzweiflung bereichern". Die Balearen wollten, so der Regierungsvertreter, "nicht länger die irreguläre Einwanderungsroute für ganz Europa sein".

Besonders angespannt ist nach Darstellung der Regionalregierung die Lage bei der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Migranten. Derzeit stünden rund 750 Minderjährige unter staatlicher Obhut, etwa 300 von ihnen aus Algerien. Die Aufnahmesysteme seien seit vielen Monaten überlastet, sagte Pavón Es fehle sowohl an geeigneten Einrichtungen als auch an Fachpersonal. Die zuständigen Sozaildienste seien "kollabiert", hieß es. Mit jeder neuen Ankunft von Booten erreichten auch weitere Minderjährige die Inseln.

Hinzu kämen logistische und finanzielle Belastungen durch den Abtransport und die Entsorgung der Boote. Im vergangenen Jahr mussten nach Angaben der Landesregierung 53 sogenannte pateras fachgerecht entsorgt werden, was durchschnittliche Kosten von rund 616 Euro pro Boot verursachte.

Scharfe Kritik äußerte Pavón zudem am Madrider Regierungsdelegierten auf den Balearen, Alfonso Rodríguez. Dieser habe Aussagen von Sicherheitskräften und Hilfsorganisationen öffentlich infrage gestellt. Hintergrund sind unterschiedliche Angaben zur Zahl der Todesopfer auf der westlichen Mittelmeerroute. Während die NGO Caminando Fronteras von mehr als 1.000 Todesfällen spricht, bestätigt die Regierungsdelegation lediglich 63 Fälle, die durch den Fund von Leichen belegt seien. Pavón sprach in diesem Zusammenhang von einem "Friedhof".

Die balearische Regierung fordert von Madrid verstärkte internationale Abkommen mit den Herkunftsländern der Migranten, deren Rückführung sowie eine stärke Auslegung europäischer Migrationspolitik. Dazu gehöre auch ein tatsächlicher Einsatz der EU-Grenzschutzagentur Frontex. Nach Auffassung Pavóns sei diese auf den Balearen bislang "nicht wirksam tätig".

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