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Pflanzen statt Asphalt: Aus Palmas Ringautobahn soll ein Grüngürtel werden

Verkehrstechnisch schlicht unverzichtbar: Über die Daseinsberechtigung der "Via de Cintura" in Palma wurde bislang nicht laut nachgedacht. Bis jetzt, da die Sozialdemokraten mehr oder weniger konkrete Pläne auf den Tisch legen.

Die Zukunft der Palmesaner Ringautobahn? Viel Grün, das Grau und der Verkehr werden unter die Erde verbannt | Foto: PSOE

| | Palma, Mallorca |

Parteien neigen dazu, dann ihre Kreativität unter Beweis zu stellen, wenn sie auf der Oppositionsbank sitzen. So auch die Sozialdemokraten auf Mallorca, die sich am Mittwoch mit einem utopisch anmutenden Vorschlag zu Wort meldeten. Sie regten an, die vielbefahrene Stadtautobahn Ma-20, die sogenannte Vía de Cintura, weitgehend unter die Erde zu verlegen und auf der frei werdenden Fläche einen durchgehenden Grüngürtel anzulegen, der bislang voneinander getrennte Stadtviertel Palmas miteinander verbinden soll.

Konkret kündigte die PSOE an, sowohl im Inselrat von Mallorca (Consell) als auch im Stadtrat von Palma entsprechende Anträge einzubringen. Ziel sei zunächst eine Machbarkeitsstudie, die prüfen solle, ob und in welcher Form eine Untertunnelung der Ma-20 technisch, finanziell und städtebaulich realisierbar wäre.

Aus Sicht der Sozialdemokraten ist die Vía de Cintura weit mehr als nur eine Verkehrsinfrastruktur. Sie sei, wie die stellvertretende Fraktionssprecherin im Inselrat, Sofia Alonso, kundtat, "eine Narbe im Stadtgebiet Palmas", die über Jahrzehnte hinweg soziale Ungleichheiten verstärkt und ganze Viertel vom übrigen Stadtgebiet abgeschnitten habe.

Stadtteile wie Son Gotleu, Nou Llevant, La Soledat, Son Malferit oder Rafal Vell litten historisch unter einer urbanen und sozioökonomischen Abgrenzung. Ein Rückbau der oberirdischen Trasse könnte diese "Bruchlinie" überwinden und die Quartiere wieder enger mit dem Zentrum verknüpfen.

Auf der Oberfläche stellen sich die Sozialdemokraten einen breiten grünen Korridor vor: mit öffentlichen Plätzen und Parkanlagen, Gemeinschaftseinrichtungen sowie Fuß- und Radwegen. Die Ma-20 solle so von einer trennenden Verkehrsschneise zu einem verbindenden "grünen Ring" werden, der als städtische Lunge fungiere und die Lebensqualität in den angrenzenden Vierteln deutlich verbessere. Wer Köln kennt, weiß wovon die Sozis sprechen – nur dass die Stadt am Rhein dafür den Verkehr nicht nachträglich unter die Erde verlegen musste.

"Es geht nicht nur um Mobilität, sondern um Lebensqualität für Zehntausende Bürger in Palma", betonte der sozialdemokratische Stadtrat Francesc Dalmau. Man wolle eine Infrastruktur, "die heute Viertel trennt, wieder zusammenführen".

Der Antrag sieht vor, das Projekt schrittweise anzugehen. In einer ersten Phase solle der Fokus auf besonders benachteiligte Stadtteile entlang der Vía de Cintura gelegt werden, erst anschließend auf den übrigen Verlauf der Ringstraße. Zugleich fordert die PSOE eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Verwaltungen – der Stadt Palma, der Balearen-Regierung und der spanischen Zentralregierung. Auch europäische Fördermittel sollten nach Möglichkeit angezapft werden.

Zugleich übte die PSOE Kritik an der konservativen Stadtregierung. Dalmau warf der Volkspartei (PP) vor, Flächen, die ursprünglich für öffentliche Einrichtungen vorgesehen gewesen seien, an private Bauträger vergeben zu haben. Viele der dort entstehenden Wohnungen seien für die "Mehrheit der Bevölkerung nicht bezahlbar". Der geplante Grüngürtel solle auch dazu beitragen, diese Entwicklung zu korrigieren und wieder mehr Raum für öffentliche Nutzung zu schaffen.

Die Initiative wird bereits an diesem Donnerstag im Plenum des Inselrats beraten. Im Stadtrat von Palma soll der Antrag Ende des Monats auf die Tagesordnung kommen. Ob aus der visionären bis utopischen Idee tatsächlich ein konkretes Projekt wird, bleibt offen.

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