Sie stehen überall in der Landschaft auf Mallorca herum und sind deswegen kaum zu übersehen: Handymasten mit Antennen, von denen etliche auch für den im Jahr 2019 eingeführten 5G-Standard ausgerüstet wurden. Allein in Palma befinden sich fast 400 Antennen, kleine sogenannte „Small Cells” auf Bushaltestellen oder Ampeln mit eingerechnet. Erstens sind viele dieser Bauten nicht unbedingt schön anzusehen, zweitens halten sich hartnäckig Ängste über die gesundheitsschädliche Wirkung von dort ausgesendeter elektromagnetischer Strahlung. Während der Corona-Pandemie schossen Verschwörungstheorien geradezu ins Kraut.
Erst vor wenigen Wochen bordete die Aufregung über Handymasten auf der Insel erneut über: Angesichts von gleich sieben Krebsfällen im Umkreis von lediglich 50 Metern seit der Installation der ersten Antennen protestierten Anwohner in dem Tramuntanadorf Esporles gegen eine solche Antenne in der Nähe von Wohnhäusern. „Wir sind etwa fünfzig Familien, die von der Installation der Telekommunikationsmasten betroffen sind”, beklagte sich ein Nachbar. Doch bei Bürgermeister Josep Ferrà stießen die Bedenken bislang auf taube Ohren.
"5G-Strahlung ist bei Einhaltung von Grenzwerten unbedenklich"
Zoff hatte es im Jahr 2024 auch im abgeschiedenen Weiler cas Concos gegeben: Dort im Insel-Osten liefen Einwohner Sturm gegen einen geplanten 5G-Mast. Es wurde sogar eine Demonstration mit immerhin etwa 200 Teilnehmern in der zuständigen Gemeinde Felanitx veranstaltet. In Inca wurde 2024 zur Erleichterung der Anwohner sogar ein Handymast entfernt – allerdings nicht wegen angeblicher gesundheitlicher Risiken, sondern wegen Unregelmäßigkeiten bei der Genehmigung.
Die Aufregung bricht sich immer wieder Bahn, obwohl die internationale Kommission für den Schutz vor nichtionisierender Strahlung seit Jahren ganz klar äußert: „5G-Strahlung ist bei Einhaltung von Grenzwerten unbedenklich.” Doch bei Gesprächsforen im Internet halten sich hartnäckig Bedenken gegen die auf viele durchaus beunruhigend wirkenden Antennen: Während etwa bei www.gutefrage.net User eindringlich vor angeblichen gesundheitlichen Risiken warnen, sprechen andere von „ganz normaler elektromagnetischer Strahlung”. „Verglichen damit ist jeder Spaziergang im Sonnenlicht um Klassen gefährlicher”, heißt es in dem Gesprächsforum unter anderem.
Dennoch, das Unbehagen bleibt, zumal immer mehr Bereiche der Insel mit 5G abgedeckt sind: Der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica teilte im Herbst des abgelaufenen Jahres mit, dass von seinem 5G-Movistar-Netz bereits 96 Prozent der Menschen auf den Balearen, die in 63 Gemeinden wohnen, profitieren können. Im Sommer seien es erst 89 Prozent gewesen.