Die Wegweiser stehen schon: Auf knallrotem Grund ist auf den Holzschildern zu lesen "East Mallorca GR 226". Der Fernwanderweg, der über eine Strecke von etwas mehr als 104 Kilometern von Cales de Mallorca bis nach Cala Mesquida führt, ist bereits fertig ausgeschildert und begeh- beziehungsweise befahrbar, auch wenn die offizielle Einweihung noch aussteht. Vermutlich wird sie noch diesen Monat stattfinden, heißt es beim Inselrat.
Der Fernwanderweg GR 226 führt durch das touristisch bislang kaum erschlossene Hinterland der Gemeinden Manacor, Sant Llorenç, Son Servera, Artà und Capdepera über Landstraßen, Feld- und Waldwege. Offiziell ist er in vier Etappen unterteilt: Cales de Mallorca – Manacor (25 Kilometer), Manacor – Son Carrió (23 Kilometer), Son Carrió – Artà (23,2 Kilometer), Artà – Cala Mesquida (22,6 Kilometer). Die Dauer wird offiziell pro Etappe mit jeweils circa sechs Stunden angegeben (zu Fuß). Dazu kommen zwei Zubringerrouten: Son Macià (3,3 Kilometer) und Costa dels Pins (7,7 Kilometer). Die exakte Gesamtlänge der Route beträgt 104,8 Kilometer. Man kann sich aber problemlos auch Teilstücke heraussuchen, die einem besser passen. Die Strecke ist komplett ausgeschildert, in Manacor beispielsweise sucht man aber am Bahnhof vergeblich einen Wegweiser. Wander-Apps wie Wikiloc sind in solchen Fällen hilfreich.
Anfang Juli 2025 hatten die Arbeiten zur Freigabe der Route nach mehrjähriger Planung begonnen. Neben dem Aufstellen der Beschilderung ging es vor allem darum, die teilweise überwucherten Wege freizulegen und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. An manchen Stellen verläuft die Route entlang viel befahrener Straßen, weshalb dort Leitplanken installiert wurden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 915.000 Euro.
Bei dem GR 226 handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der fünf Gemeinden im Inselosten, die dadurch ihr touristisches Angebot erweitern und nachhaltiger machen wollen. Sie präsentierten die Pläne bereits im Jahr 2019, als sie die touristische Marke "East Mallorca" schufen, unter der sie sich seitdem gemeinsam als Destination vermarkten (www.eastmallorca.com). Die Einrichtung des Fernwanderweges war einer der Schwerpunkte der Initiative.
"Dieses Projekt wurde konzipiert, um Mallorquinern und Besuchern ein hochwertiges Freizeitangebot zu bieten", heißt es in der Projektbeschreibung. "Die Umsetzung bietet die Möglichkeit, die Gemeinden, durch die er führt, nachhaltig zu beleben." Man fördere so eine gesunde und umweltfreundliche Aktivität, die zudem überwiegend außerhalb der Hochsaison ausgeübt werde. Obendrein werte man auf diese Weise das kulturelle, ethnologische und natürliche Erbe der Gegend auf.
Bescheidenheit im Osten
Ein wesentlicher Unterschied zum bekanntesten Fernwanderweg der Insel, der Ruta de Pedra en Sec (GR 221), ist die weitgehend fehlende Wanderinfrastruktur. An der Trockensteinroute, die mehr als 200 Kilometer weit durch das Tramuntanagebirge führt, gibt es ein dichtes Netz an günstigen Wanderherbergen. Im Inselosten dagegen ist man auf Hotels angewiesen. In den Küstenorten ist die Auswahl groß, in Son Carrió – immerhin offizieller Etappenort – dagegen nicht.
Im Gegensatz zur Trockensteinroute, die fast komplett durch Mallorcas Mittelgebirge verläuft, ist der Fernwanderweg GR 226 auch für Radfahrer geeignet. Ratsam ist allerdings ein Mountainbike oder zumindest ein geländegängiges Trekkingrad. Wer von Palma aus startet, kann mit dem Zug bis Manacor fahren, in dem die Fahrradmitnahme problemlos möglich ist.