Dass der kleine Mohamed noch lebt, grenzt für seine Familie an ein Wunder. Der zehnjährige Junge war am 15. Dezember aus dem siebten Stock eines Wohnhauses in Palma de Mallorca rund 20 Meter in die Tiefe gestürzt – und überlebte schwer verletzt. Heute ist sein Zustand stabil, Lebensgefahr besteht nicht mehr. Ärzte gehen davon aus, dass er wieder vollständig genesen wird.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Nationalpolizei handelte es sich um einen Unfall. Der Junge habe sich auf dem Balkon aufgehalten, vermutlich um die Ankunft eines Familienmitglieds zu beobachten. Dann soll er ausgerutscht sein und dabei das Gleichgewicht verloren haben. Was folgte, war der freie Fall. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich in der Wohnung zwei ältere Geschwister von Mohamed auf. Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt es nach Ansicht der Ermittler nicht.
Entscheidend für das Überleben des Kindes war eine Verkettung glücklicher Umstände. Der Junge prallte nicht direkt auf den Asphalt, sondern zunächst auf die Windschutzscheibe eines geparkten Autos. Das Glas federte den Aufprall soweit ab, dass der Zehnjährige den Sturz überlebte.
Glücklicher Umstand Nummer zwei: Ein zufällig anwesender Rettungssanitäter leistete umgehend Erste Hilfe. Weitere Einsatzkräfte trafen kurz darauf ein und brachten den Jungen in das Universitätsklinikum Son Espases, wo er mehrere Tage auf der pädiatrischen Intensivstation behandelt wurde.
Der Zehnjährige erlitt mehrere Knochenbrüche an Armen und Beinen sowie feine Frakturen an Kiefer und Schädel. Zwei Tage lag er nach Erkenntnissen der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" auf der Intensivstation, zeitweise sprachen Ärzte von Lebensgefahr.
Als Mohamed aufwachte, war zunächst sein Gedächtnis wie ausgelöscht. An den Unfall konnte er sich nicht erinnern. Einen Monat später sitzt er zwar noch im Rollstuhl, ein Arm ist eingegipst, doch die Schmerzen seien deutlich zurückgegangen. "Es tut nicht mehr weh", sagt der Junge, der möglichst bald wieder zur Schule gehen möchte.
Für die Familie bleibt das Erlebte dennoch ein Schock. "Ich dachte sofort, er ist tot", sagt die Mutter. Auch Wochen später sei die Angst noch präsent. Gleichzeitig überwiege die Dankbarkeit – gegenüber den Rettungskräften, den Ärzten und den Nachbarn, die sofort ihre Hilfe angeboten hätten. "Zu sehen, wer das Leben deines Kindes gerettet hat, ist überwältigend", blickt die Mutter zurück.
Medizinisch verläuft die Genesung nach Angaben der behandelnden Ärzte "sehr gut". Beim nächsten Untersuchungstermin in wenigen Tagen soll entschieden werden, wann der Junge wieder die Schulbank drücken darf. Für seine Familie steht bereits jetzt fest: Dass ihn seine Beine wieder tragen werden, ist nicht weniger als ein mittelgroßes Wunder.