Auf Mallorca müssen sich Einheimische und Urlauber in den kommenden Tagen auf anhaltend schlechtes Wetter einstellen. Nach Angaben der spanischen Wetterbehörde Aemet wird sich über der Insel ein sogenannter Höhentrog festsetzen – ein meteorologisches Phänomen, das eine bis zu siebentägige Regenperiode auslösen kann. Damit droht auch Palmas traditionelles Stadtfest zu Ehren des Schutzpatrons Sant Sebastià buchstäblich ins Wasser zu fallen.
„Wir werden dieses Jahr wohl im Regen tanzen und grillen“, erklärte María José Guerrero gegenüber der spanischen MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora", Delegierte und Sprecherin der Aemet auf den Balearen. Besonders ab dem Wochenende rechnet die Behörde mit flächendeckenden Niederschlägen, teils begleitet von Gewittern.
Was ist ein "Höhentrog" – und warum bringt er so viel Regen?
Ein Höhentrog, auf Spanisch "una vaguada", ist eine langgestreckte Zone kalter Luft in höheren Atmosphärenschichten, meist in etwa fünf bis zehn Kilometern Höhe. Anschaulich lässt sich dieses Phänomen als eine Art „Kälte-Rinne“ in der Atmosphäre beschreiben. Trifft diese kalte Luft oben auf vergleichsweise warme und feuchte Luft in Bodennähe, wird die warme Luft zum Aufsteigen gezwungen.
Beim Aufsteigen kühlt die feuchte Luft ab, Wasserdampf kondensiert – Wolken entstehen, oft dicht und hochreichend. Das Ergebnis sind anhaltende Niederschläge, die sich über mehrere Tage ziehen können. Besonders problematisch wird es, wenn sich ein Höhentrog kaum verlagert, sondern nahezu ortsfest über einer Region liegt – so wie es nun über Mallorca erwartet wird.
Warnstufe Gelb und fallende Temperaturen
Die ersten, noch schwachen Regenfälle sollen nach Prognosen der Aemet bereits am Freitagabend einsetzen. Deutlich intensiver wird es am Samstag, dem 17. Januar. Dann rechnet die Wetterbehörde mit verbreiteten und teils kräftigen Niederschlägen, lokal auch mit Gewittern. Für den Süden und Osten der Insel gilt bereits die Warnstufe Gelb. In diesen Gebieten können bis zu 20 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Die Warnung gilt von 6 Uhr morgens bis zum Tagesende.
Gleichzeitig gehen die Temperaturen spürbar zurück. Während am Freitag noch Höchstwerte von 15 bis 17 Grad erwartet werden, sinken sie am Samstag auf 12 bis 15 Grad. Damit liegen die Werte stellenweise unter dem für diese Jahreszeit üblichen Durchschnitt. Der Wind weht schwach bis mäßig aus südlicher Richtung.
Bodentief verstärkt die Regenfälle weiter
Am Sonntag, dem 18. Januar, verschärft sich die Wetterlage zusätzlich. Nach Angaben der Aemet bildet sich dann am Boden ein Tiefdruckgebiet, das den Höhentrog in der Höhe ergänzt. Diese Kombination gilt unter Meteorologen als besonders regenanfällig. Die Folge: Die Niederschläge können weiter an Intensität zunehmen und sich erneut über große Teile der Insel ausbreiten.
Die Temperaturen bleiben dabei nahezu unverändert, der Wind dreht leicht auf Süd bis Südost und bleibt überwiegend schwach. Nach aktuellem Stand rechnen die Meteorologen mit einer insgesamt rund siebentägigen Regenphase, deren Ende derzeit noch nicht sicher absehbar ist.
Für Palma bedeutet das trübe Aussichten für eines der wichtigsten Volksfeste des Jahres. Die sogenannte "Revetla de Sant Sebastià", bei der traditionell in den Straßen der Stadt gegrillt, musiziert und gefeiert wird, dürfte in diesem Jahr vor allem eines werden: eine nasse Angelegenheit.