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KOLLABIERTES WOHNHAUS

Einstürzende Altbauten: Mallorcas tödliche Bilanz der letzten 25 Jahre

Manacor und die Insel trauern um den tödlich verletzten 18-jährigen Miguel Ángel. Dabei ist das Unglück vom Donnerstag längst kein Einzelfall. Die Liste ähnlicher Vorfälle ist lang – zu den Todesopfern gehört auch ein deutscher Urlauber.

Tödliche Gebäudeeinstürze sind auf Mallorca kein Einzelfall | Foto: Archiv

| | Palma, Mallorca |

Der tragische Einsturz eines Wohnhauses in Manacor in der Nacht zum Donnerstag hat auf Mallorca erneut Fragen nach dem Zustand vieler Gebäude aufgeworfen. Ein 18-jähriger junger Mann kam dabei ums Leben, sein zwölfjähriger Bruder wurde schwer verletzt. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, vielmehr sind derartige Ereignisse seit Jahrzehnten ein ständiger Begleiter mit Todesopfern.

Wie das Rathaus von Manacor mitteilte, verfügte das Gebäude über keine gültige technische Gebäudeinspektion. "Im Archiv des Stadtplanungsamtes wurde keinerlei Antrag auf eine Baugenehmigung oder Unterlagen zum baulichen Zustand dieser Immobilie gefunden", erklärte die Stadtverwaltung. Auch Genehmigungen für mögliche Umbauten seien nicht dokumentiert. Die Nationalpolizei prüft nun, ob bauliche Veränderungen ohne behördliche Erlaubnis vorgenommen wurden.

Der Einsturz von Manacor ist nicht der erste dieser Art. Seit 2001 sind auf Mallorca nach Recherchen der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" mindestens 29 Menschen infolge von Gebäudeeinstürzen ums Leben gekommen. Die Unglücke ereigneten sich in fertiggestellten Wohnhäusern und Hotels oder während Bauarbeiten. Häufig soll es sich dabei um Gebäude ohne vorgeschriebene Sicherheitsprüfungen oder klaren baulichen Mängeln gehandelt haben.

Den Ausgangspunkt dieser Entwicklung markiert dem Lokalblatt zufolge der Einsturz des Hotels Tívoli in Palma de Mallorca im Januar 2001. Zwei Bauarbeiter starben damals, als das Gebäude während einer Sanierung zusammenbrach. Sicherheitsvorkehrungen fehlten weitgehend, mehrere für den Bau und dessen Ausführung Verantwortliche wurden später verurteilt. Es folgten weitere schwere Unglücke, darunter der Einsturz des Hotels Son Moll in Cala Rajada im Jahr 2004, bei dem vier Arbeiter starben. Die Ermittlungen ergaben, dass die Umbauarbeiten ohne Genehmigung durchgeführt worden waren.

Für viele Schlagzeilen sorgte auch der Einsturz eines Wohnblocks in Palmas Stadtteil Camp d’en Serralta im Oktober 2009. Sieben Menschen kamen ums Leben, als das vierstöckiges Gebäude in sich zusammenfiel. Zwar stellte man später fest, dass keine vorgeschriebene Gebäudeprüfung vorlag, strafrechtliche Konsequenzen hatte der Fall jedoch nicht.

Auch in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu tödlichen Vorfällen. 2006 wurde eine 83-jährige Frau in Alaró nach heftigen Regenfällen unter einer eingestürzten Mauer ihrer Wohnung begraben, nur ein Jahr später traf es einen 79-jährigen Urlauber aus Deutschland. Dieser hielt sich auf gerade auf dem Balkon seiner Unterkunft auf, um ein Foto zu machen, als das Material unter seinen Füßen nachgab.

2015 kamen zwei Arbeiter in der Urlauberhochburg s’Arenal unter einer 50 Tonnen schweren Betonplatte ums Leben. Gut in Erinnerung ist für viele noch der Einsturz der Terrasse des Strandlokals Medusa Beach im Mai 2024, ebenfalls in s'Arenal. Vier Menschen starben, 17 weitere wurden verletzt. Die Stadt Palma stellte später erhebliche bauliche Mängel sowie das Fehlen einer gültigen Genehmigung fest.

Nach dem jüngsten Unglück in Manacor ordneten die Behörden umgehend Sicherheitsmaßnahmen an. Das Gebäude wurde versiegelt und abgesichert, der Bereich weiträumig abgesperrt, Anwohner vorsorglich evakuiert. Erst nach Freigabe durch die Justiz sollen die Trümmer geräumt und die Struktur des Hauses untersucht werden. Die Stadt erinnerte zugleich daran, dass Eigentümer gesetzlich verpflichtet sind, ihre Immobilien in einem sicheren Zustand zu erhalten.

Der Tod des 18-jährigen Miguel Ángel F. ist damit ein weiteres Opfer behördlicher Versäumnisse und fehlenden Pflichtbewusstseins von Eigentümern. Und es darf befürchtet werden, dass es nicht der letzte Todesfall in diesem Zusammenhang sein wird.

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