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Spaniens Premier Sánchez ordnet Staatstrauer an: Land steht nach Zugunglück unter Schock

Die Katastrophe von Adamuz, der mindestens 39 Menschen zum Opfer fielen, bestimmt an diesem Montag die Schlagzeilen des Landes, auch auf Mallorca.

Den Rettungskräften bietet sich ein Bild des Schreckens | Foto: Guardia Civil

| Palma, Mallorca |

Auf Mallorca wie im ganzen Land gibt es an diesem Montag nur ein Thema: das tragische Zugunglück in Andalusien, das nach bisherigem Stand der Rettungsarbeiten mindestens 39 Menschen das Leben kostete. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kündigte am Montagmittag vom Unglücksort aus eine dreitägige Staatstrauer an. Zugleich versprach er eine lückenlose Aufklärung. "Wir werden die Wahrheit herausfinden", sagte Sánchez.

Sobald die Ursachen bekannt seien, werde die Regierung diese "mit absoluter Transparenz" veröffentlichen. Zugleich rief er zu "Einheit im Schmerz" auf und mahnte, sich ausschließlich über offizielle Kanäle zu informieren.

Das Unglück ereignete sich am Sonntagabend gegen 19.35 Uhr nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba. Ein Hochgeschwindigkeitszug des privaten Betreibers Iryo, unterwegs von Málaga nach Madrid mit 317 Passagieren an Bord, entgleiste aus bislang ungeklärter Ursache. Der Zug geriet auf das Nachbargleis und erfasste dort einen entgegenkommenden Alvia-Zug des staatlichen Betreibers Renfe, der mit 184 Reisenden von Madrid nach Huelva unterwegs war. Beide Züge entgleisten bei Geschwindigkeiten von jeweils über 200 km/h.

Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 39 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden zum Teil schwer verletzt. Am Montagmittag wurden noch 43 Verletzte in Krankenhäusern behandelt, zwölf von ihnen – darunter ein Kind – auf Intensivstationen. Verkehrsminister Óscar Puente warnte, die Zahl der Todesopfer könne noch steigen, da die Bergungsarbeiten andauerten und weiterhin Menschen als vermisst gelten.

Die Rettungskräfte arbeiteten unter schwierigen Bedingungen die ganze Nacht hindurch. Hunderte Einsatzkräfte waren vor Ort, darunter Notärzte, Feuerwehr, Guardia Civil sowie Einheiten der Militärischen Notfalleinheit (UME). Spezialisten für forensische Identifizierung wurden hinzugezogen, um die Opfer möglichst schnell identifizieren zu können. In mehreren Städten – darunter Madrid, Sevilla, Málaga, Huelva und Córdoba – richteten die Behörden Anlaufstellen für Angehörige ein, an denen DNA-Proben abgegeben werden können.

Überlebende sprachen von dramatische Szenen. Eine verletzte Passagierin berichtete, der Zug habe plötzlich stark geschwankt, dann seien die Waggons "durch die Luft geflogen". Sie selbst habe schwere Prellungen und starke Schmerzen erlitten, andere Reisende seien deutlich schwerer verletzt gewesen. Ein weiterer Fahrgast sagte, ein Waggon sei "ein einziges Knäuel aus Metall" gewesen, während überall Menschen um Hilfe gerufen hätten.

Warum es zu dem Unfall kam, ist bislang unklar. Nach Angaben des Verkehrsministeriums ereignete sich die Entgleisung auf einem geraden Streckenabschnitt, der erst vor wenigen Monaten umfassend erneuert worden war. Der betroffene Iryo-Zug sei nahezu neu und wenige Tage vor dem Unglück technisch überprüft worden, teilte das italienische Unternehmen mit. Auch die Strecke sei mit modernen Sicherungssystemen ausgestattet, die menschliche Fehler weitgehend ausschließen sollen. Der Präsident von Renfe sprach deshalb von einem "äußerst ungewöhnlichen" Unfall und warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen.

Mit einer unabhängige Untersuchung unter Leitung der staatlichen Kommission für Eisenbahnunfälle (CIAF) ist bereits begonnen worden. Parallel dazu ermittelt die Justiz: Ein Gericht in Montoro leitete ein Verfahren ein, erste Zeugen – darunter Reisende und Bahnmitarbeiter – wurden vernommen. Ziel sei es, mögliche technische Mängel an Zügen oder Infrastruktur sowie die Abläufe unmittelbar vor dem Unglück zu klären.

Der Bahnverkehr zwischen Madrid und weiten Teilen Andalusiens bleibt vorerst unterbrochen. Nach Einschätzung der Betreiber werden die Bergung der zerstörten Züge und die Reparatur der Infrastruktur mehrere Tage dauern. Renfe und Adif ermöglichen kostenlose Umbuchungen und richteten Betreuungsstellen für Betroffene und Angehörige ein.

Die Anteilnahme ist landesweit groß. Zahlreiche politische Termine wurden abgesagt, um Solidarität mit den Opfern zu zeigen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, schrieb auf X auf Spanisch: "In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken." König Felipe VI. und Königin Letizia wollen nach Angaben des Königshauses am Dienstag nach Córdoba reisen. "Es ist ein Tag des Schmerzes für ganz Spanien", sagte Sánchez – ein Satz, der die Stimmung im Land an diesem Montag zusammenfasst.

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