Der Tierschutzverein Satya Animal hat das Rathaus von Artà im Osten von Mallorca sowie die Verantwortlichen der traditionellen Sant-Antoni-Feierlichkeiten in der Gemeinde offiziell dazu aufgefordert, die Regeln zur Teilnahme von Tieren an dem Heiligenfest zu überarbeiten. Anlass sind Beobachtungen während der diesjährigen Feier vergangene Woche, die aus Sicht der Organisation mit dem Tierschutz nicht vereinbar sind.
Besonders kritisch sieht der Verein den Umgang mit dem Esel, der traditionell die Figur des Sant Antoni begleitet. Augenzeugen berichten von wiederholten Schubsereien, Ziehen an dem Tier und sogar davon, dass sich einzelne Personen auf den Esel setzten. Diese Situationen führten laut Satya Animal zu sichtbarem Stress und Leid für das Tier.
Kaninchen direkt hinter dem Auspuffrohr
Auch der mehrere Stunden dauernde Umzug der Festwagen – zwischen etwa 9 und 14 Uhr – steht in der Kritik. Traktoren, laute Musik, anhaltender Lärm und ein dichtes Gedränge von Menschen hätten eine Umgebung geschaffen, die für Tiere kaum zumutbar sei. In dem eingereichten Schreiben werden verschiedene konkrete Fälle genannt: kleine Schweine in engen Käfigen, Ziegen auf Wagen, umgeben von lauter Musik und teils alkoholisierten Feiernden, sowie Kaninchen in Käfigen, die direkt hinter den Auspuffrohren der Traktoren platziert waren und während des gesamten Umzugs Abgase einatmen mussten.
"Es ist widersprüchlich, dass ein Fest zu Ehren von Sant Antoni, dem Schutzpatron der Tiere, mit Praktiken verbunden ist, die Angst, Stress und mögliches Leid verursachen", heißt es vonseiten der Organisation. Nach dem Umzug kursierten zahlreiche Videos in sozialen Netzwerken, die diese Eindrücke untermauern. Nach Angaben von Satya Animal zeigen sie, dass die Kritik nicht nur von Einzelnen geteilt wird, sondern in Teilen der Bevölkerung auf breite Zustimmung stößt.
Verein ruft Bürger zur Mitarbeit auf
Der Verein beschränkt sich nicht auf das formelle Schreiben an die Gemeinde. Gleichzeitig wurden Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, eigene Anträge einzureichen, um eine öffentliche und konstruktive Debatte über die Zukunft der Romería anzustoßen. Ziel sei es ausdrücklich nicht, die Tradition abzuschaffen, sondern sie weiterzuentwickeln.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen eine klare Trennung zwischen dem festlichen Umzug und der Tiersegnung, die Verlegung letzterer in einen ruhigen Bereich mit begrenzter Dauer sowie die Abschaffung der Pflicht, lebende Tiere mitzuführen. Als konsequenteste Lösung wird auch ein vollständiger Verzicht auf Tiere bei der Romería ins Spiel gebracht. "Eine Tradition zu bewahren darf nicht bedeuten, Tierleid zu akzeptieren", betont Satya Animal.