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Alte Fotos von oben: So sah Mallorca vor dem Tourismus- und Bauboom aus

Historische Luftaufnahmen verdeutlichen, wie rasant sich die Insel in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat. Sehen Sie selbst!

Eine Steinwüste befand sich noch 1956 dort, wo heute die beiden Stauseen Cúber und Gorg Blau liegen (links). Eingeweiht wurden sie Anfang der 1970er Jahre. Seitdem helfen sie dabei, die Trinkwasserversorgung der Bewohner von Palma sicherzustellen

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Wo vor noch gar nicht allzu langer Zeit auf einem Acker die Mandelbäume blühten, ragen heute Hochhäuser in den Himmel, mehr als ein Dutzend. Ein komplett neuer Stadtteil für tausende Einwohner entstand zu Beginn der 1960er Jahre am Rand Palmas. Vor allem Immigranten aus Südspanien fanden hier, in Son Gotleu, eine neue Heimat – angelockt von den unzähligen neuen Jobs in der boomenden Baubranche und im aufkommenden Massentourismus.

Palmas Stierkampf-Arena in den 1960er-Jahren

Nur wenige Kilometer entfernt wandelte sich in jenen Jahren ein bis dahin noch kaum bebauter und dafür mit Kiefernwäldern überwucherter Küstenabschnitt zur wichtigsten Urlaubermeile Mallorcas. Noch wenige Jahre zuvor rollte hier die Eisenbahn direkt am Meer entlang, nun schießen die Hotelkomplexe in die Höhe. Als Playa de Palma lockt die Gegend bald schon Jahr für Jahr hunderttausende Touristen an.

Während im Jahr 1955 auf den Balearen noch 352.000 Menschen lebten, liegt die Einwohnerzahl heute längst bei mehr als 1,2 Millionen. Aus 5000 Hotelbetten sind im selben Zeitraum allein auf Mallorca mehr als 300.000 geworden. Sichtbar wird dieser Wandel, den die Insel in den vergangenen 70 Jahren durchgemacht hat, dank diverser Internetseiten, auf denen die Inselbehörden der Allgemeinheit ein enormes Archiv an Luftaufnahmen zur Verfügung stellen.

So sah die Tramuntana in den 1950er-Jahren ohne die Stauseen Gorg Blau und Cúber aus

Jetzt hat der auch der Inselrat ein entsprechendes Werkzeug online veröffentlicht, den sogenannten Visor d’Imatges de Mallorca (cim.conselldemallorca.net /apps/imgmca). Es handelt sich um eine Internetseite, auf der man sich per Klick unter anderem historisches Fotomaterial anzeigen lassen kann. Dafür muss man lediglich das gewünschte Datenmaterial auswählen und schon legen sich die Luftaufnahmen über die zugrundeliegende topografische Karte.

Hier entstand später das Viertel Son Gotleu.

Neu bei dem Inselrats-Tool ist, dass nun auch Fotografien aus den Jahren 1968, 1973 und 2004 abrufbar sind. Ansonsten handelt es sich um dasselbe Datenmaterial, das auch die Balearen-Regierung für ihre ganz ähnliche Internet-Anwendung nutzt ( ideib.caib.es /visor ). Dieses lässt das Nationale Geografische Institut seit einiger Zeit im Dreijahresrhythmus anfertigen – nicht nur von den Balearen, sondern vom ganzen Land.

Die Fotos werden von Flugzeugen aus aufgenommen, die in langgezogenen Schleifen die Insel überfliegen. Bei der nachträglichen Bearbeitung werden Verzerrungen durch Perspektive und Höhenunterschiede in der Landschaft entfernt. Die sogenannte Rektifizierung erlaubt das exakte Messen von Entfernungen und Längen, aber auch das Höhenprofil bestimmter Strecken kann man sich anzeigen lassen. Der Hauptnutzen der Luftaufnahmen ist, dass sie die Grundlage für die Kartografierung unter anderem Mallorcas bilden.

Älteste Luftaufnahmen aus dem Jahr 1956

Aus dem Jahr 1956 stammen die ältesten Aufnahmen. Damals fotografierte die spanische Luftwaffe in Zusammenarbeit mit der US Air Force die gesamte Landfläche Spaniens ab. Nun gibt es also erstmals auch Aufnahmen aus den 1960er und 1970er Jahren. Diese machen vor allem den Wandel deutlich, den die Insel in der Frühzeit des Bau- und Tourismusbooms durchgemacht hat. Eine nette Spielerei ist der Schieberegler, der es ermöglicht, die Aufnahmen verschiedener Jahre fließend ineinander übergehen zu lassen.

Die Anwendung aber hat auch einen ganz konkreten Nutzen. So dient das detaillierte Fotomaterial beispielsweise der zuständigen Behörde des Inselrats dazu, etwaige Verstöße gegen die Bauvorschriften aufzudecken. Tatsächlich lässt sich trotz der bei den historischen Aufnahmen zum Teil geringen Auflösung nachvollziehen, wie lange sich ein bestimmtes Bauwerk bereits an Ort und Stelle befindet. Auf einigen der älteren Luftaufnahmen sind sämtliche militärischen und öffentlichen Einrichtungen unkenntlich gemacht.

Neben den Fotografien bieten die Internetseiten noch weiteres Material. So kann man sich die wohl beste online verfügbare topografische Karte der Insel anzeigen lassen – im Maßstab 1:5000. Diese ist viel detailreicher als etwa Google Maps und umfasst mehrere tausend Ortsbezeichnungen. Auf der Ideib-Seite der Balearen-Regierung lassen sich obendrein per Mausklick mehr als 130 verschiedene Ebenen einblenden, die jeweils ganz unterschiedliche Informationen anzeigen, ob es nun Lage und Größe aller Mallorca vorgelagerten Inseln sind, sämtliche Windkraftanlagen und Posidoniavorkommen, Katasterdaten oder die voraussichtlichen Auswirkungen des wegen des Klimawandels steigenden Meeresspiegels.

Relativ neu bei der Ideib-Anwendung ist die Einbindung von Google Street View, das man per Mausklick aktivieren kann. Es lässt sich also an jeden beliebigen Punkt hineinzoomen, bis man förmlich an Ort und Stelle steht. Allerdings ist das Bildmaterial, mit dem der Google-Service auf Mallorca arbeitet, nicht flächendeckend aktualisiert. Zwar waren die Street-View-Fahrzeuge im Sommer 2024 in Palma unterwegs, in vielen vor allem ländlichen Gegenden der Insel aber sind die Aufnahmen veraltet.

Ebenfalls historischen Wert haben die Luftaufnahmen, die der kartografische Dienst der Stadt Palma in regelmäßigen Abständen anfertigen lässt. Auch hier gibt es eine Internetseite zur Anzeige der Daten ( cartografia.palma.es/visorortofotos ). Unter anderem kann man auf einer Schwarzweiß-Aufnahme aus dem Jahr 1995 unschwer erkennen, dass es damals noch möglich war, mit dem Auto direkt bis zur Kathedrale zu fahren und dort auch zu parken. Auch rund um die Plaça d’Espanya brauste damals noch der Autoverkehr. Auch dies ein Stück Stadtgeschichte, dass dank der histporischen Luftaufnahmen wieder auflebt – ebenso wie der Bau der Wohnblöcke von Son Gotleu.

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