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STAATLICHE LUXUSHÄUSER

Ibiza stiehlt Mallorca die Schau – und eröffnet erstes Parador-Hotel auf den Balearen

Nach sage und schreibe 16 Jahren Bauzeit fand sich am Montag zur offiziellen Eröffnung die gesamte Polit- und Tourismusprominenz auf der Nachbarinsel ein. Auf Mallorca verliefen Pläne für einen Parador bislang im Sand.

Das neue Parador-Hotel thront hoch über der Altstadt Dalt Vila | Foto: Paradores

| | Palma, Mallorca |

Mallorca ist zweifellos das Aushängeschild Nummer eins für die Urlaubsindustrie auf den Balearen, die deutlich kleinere Nachbarinseln Ibiza schlug dem übermächtigen Nachbarn jetzt aber ein Schnippchen. Mit der offiziellen Eröffnung des Parador de Ibiza verfügt die Insel als erste der Balearen über ein staatliches Hotel der traditionsreichen Paradores-Kette – Mallorca hingegen geht weiterhin leer aus.

Tourismusminister Jordi Hereu eröffnete das Haus am Montag gemeinsam mit Raquel Sánchez, Präsidentin der staatlichen Hotelgesellschaft Paradores, und Tourismusstaatssekretärin Rosario Sánchez. Es ist das 99. Haus des Netzwerks in Spanien und befindet sich in hervorgehobener Lage in Dalt Vila, der zum UNESCO-Welterbe zählenden Festungsanlage aus dem 16. Jahrhundert. Sánchez sprach von einem "historischen Meilenstein" und einem "kollektiven Stolz". Der Parador sei "einzigartig, außergewöhnlich", nicht zuletzt wegen seiner Lage auf dem höchsten Punkt der malerischen Altstadt.

Nach 20 Jahren Planung und Bauzeit, 16 davon seit konkretem Projektbeginn, wurde das denkmalgeschützte Areal für rund 47 Millionen Euro saniert. Entstanden ist ein Hotel mit insgesamt 66 Zimmern, davon 41 für Gäste und 25 für Mitarbeiter. Letztere sollen helfen, den akuten Wohnungsmangel auf der Insel abzufedern. Hinzu kommen ein Spa-Bereich, ein Außenpool, 40 Parkplätze sowie ein museales Konzept, das die Geschichte des Ortes, dem einstigen Sitz des Gouverneurs, einbindet. Am 7. und 8. März öffnet das Haus zunächst bei kostenfreien Tagen der offenen Tür für Einwohner; der reguläre Betrieb beginnt am 10. März. Auf den Balearen gemeldete Personen erhalten 20 Prozent Ermäßigung auf Übernachtungen.

Damit endet für die Balearen eine lange Phase ohne Parador. Noch 2025 gehörten sie neben der Provinz Vizcaya (Baskenland) zu den einzigen Regionen Spaniens ohne ein solches Haus. Die Paradores de Turismo de España, eine staatliche Gesellschaft, betreiben landesweit nahezu 100 Hotels – meist in historischen Gebäuden wie Klöstern, Burgen oder Palästen. Das Modell entstand bereits in den 1920er Jahren, lange vor der Franco-Diktatur.

Warum aber bleibt ausgerechnet Mallorca, touristisches Schwergewicht Spaniens, noch immer ohne Parador? Dem Dekan der Tourismusfakultät der Universität der Balearen (UIB), Tolo Deyà, zufolge sie dies durchaus gewollt. Paradores verfolge "vornehmlich zwei Ziele": Regionen ohne ausgeprägten Fremdenverkehr zu beleben und zugleich historisches Erbe zu sichern. Auf Mallorca müsse der Tourismus nicht mehr angekurbelt werden, eher sei das Gegenteil der Fall. Ähnlich äußert sich der frühere Senator Eduardo Gamero. In den 1980er und 1990er Jahren sei zwar über einen Parador "laut nachgedacht" worden. Letztlich habe man jedoch entschieden, dass das Angebot auf der Insel bereits "mehr als ausreichend" sei.

Konkrete Anläufe gab es dennoch. So erwarben die öffentliche Hand und das Umweltministerium 2001 das Landgut Raixa bei Bunyola für umgerechnet 8,4 Millionen Euro – ursprünglich mit Blick auf einen möglichen Parador. Das Projekt wurde später verworfen, das Anwesen 2012 nach umfassender Sanierung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In der Ortschaft Lloret warb die Gemeinde 2022 für die Umwandlung eines ehemaligen Dominikanerklosters in einen Parador. Der damalige Bürgermeister argumentierte, ein solches Haus könne Arbeitsplätze schaffen und das kulturelle Erbe sichern. Paradores lehnte jedoch dankend ab.

Um das finanzielle Standing der staatlichen Hotelkette steht es nicht zum Besten. 2012 geriet das Unternehmen in eine Krise, mehrere Häuser wurden vorübergehend geschlossen. Tourismusexperte Deyà hält das Modell langfristig für "fraglich". Das Konzert Paradores sei "eine Anomalie", deren Fortbestand fortlaufend diskutiert werde; das Unternehmen arbeite defizitär, die Verluste würden mit Steuergeldern ausgeglichen. Zudem sei es in Zeiten der Debatte um Overtourism kaum vermittelbar, zusätzliche Betten auf Mallorca zu schaffen. Argumente, die freilich auf für Ibiza zutreffen.

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