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Ausgebremst vom Tourismus: Schulausflüge werden zum Luxus

Bildungseinrichtungen und Kulturstätten beklagen Fahrtkosten, die für eine zunehmende Zahl von Pennälern nicht mehr zu stemmen sind. Die Folgen seien gravierend.

Schüler besteigen einen Ausflugsbus auf Mallorca | Foto: Manuela García Romero - MARCELO SASTRE

| Palma, Mallorca |

Die anhaltend hohe Touristennachfrage auf Mallorca und eine immer länger werdende Saison bringen Schulen zunehmend in Schwierigkeiten. Reisebusse sind knapp und teuer geworden – mit spürbaren Folgen für den Unterricht: Immer mehr Schulen sagen Ausflüge ab, weil die Kosten für viele Familien nicht mehr tragbar sind.

"In vielen Fällen können die Familien acht bis zehn Euro pro Ausflug für die Anmietung eines Busses nicht aufbringen. Und das ist noch die günstigste Variante", sagt Mateu Reus, Lehrer an einer weiterführenden Schule in Marratxí, gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Teilweise würden bis zu zwölf Euro pro Schüler verlangt. Eine geplante Fahrt zu einer archäologischen Stätte jüngst sei an den Kosten gescheitert: Für 18 Schüler habe ein Unternehmen mehr als 450 Euro verlangt. "Das ist eine Unverschämtheit", so ein entzürnter Reus.

Besonders betroffen seien Schüler aus sozial schwächeren Familien. Für sie seien Ausflüge oft die einzige Möglichkeit, kulturelle Einrichtungen kennenzulernen. "Gerade diese Schüler brauchen es am dringendsten, zu Hause machen sie solche Erfahrungen nicht“, sagt Reus.

Auch die Einrichtungen selbst spüren die Entwicklung. David Javaloyas, Koordinator des Parc Arqueológic del Puig de Sa Morisca, berichtet von "zahlreichen Absagen". Und ist überzeugt: Kulturelle Zentren wie die seine müssten "für alle Schüler erschwinglich" bleiben, betont er.

Der Branchenverband der balearischen Transportunternehmen (Federación Empresarial de Transportes de Balears) verweist auf "ausgelastete Kapazitäten". Als Alternative regt er an, Ausflüge "stärker über das Jahr zu verteilen" und die Sommermonate zu meiden. Das Bildungsministerium wiederum sieht die Organisation in der Verantwortung der einzelnen Schulen. Die Preisgestaltung läge bei den Unternehmen.

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