Die Stadtverwaltung von Calvià im Südwesten Mallorcas hat eine neue Maßnahme zur Bekämpfung der Prozessionsspinner angekündigt, die aktuell umgesetzt wird. Damit ergänzt die Kommune ihren ganzjährigen Plan um eine weitere Phase, welche sich derzeit auf die Zerstörung der Raupennester in schwer erreichbaren Höhenlagen konzentriert.
Der Kiefernschädling gehört zur Familie der Prozessionsspinner und wird den Nachtfaltern zugeordnet. Durch den Klimawandel und die forstwirtschaftlich teils monokulturelle Anpflanzung von Eichen und Kiefern ist das als gesundheitsschädlich geltende Insekt zunehmend in Europa sowie in Asien und Afrika vertreten. Auch auf Mallorca ist die Plage schon seit Jahren ein Problem.
So gefährlich sind die Tiere
Die Tiere befinden sich derzeit im Raupen-Stadium und weisen eine orange, bräunliche Färbung mit weißen Seidenhaaren auf. Die primär nachtaktiven Tiere verlassen zur Nahrungssuche gemeinsam in Form von Prozessionen, die bis zu zehn Meter lang sein können, ihr Gespinst und ziehen sich tagsüber wieder zurück. Insgesamt häuten sich die Tiere fünfmal, wobei sich nach der dritten Schälung die Brennhaare mit dem Nesselgift entwickeln. Wenn der Häutungsprozess der Raupen abgeschlossen ist, vergräbt sich der Kiefern-Prozessionsspinner zur Verpuppung im Erdreich und schlüpft im Sommer als Falter. Diese paaren sich, und das Weibchen legt bis zu 200 Eier als Paket um Kiefernnadeln. Die dort überwinternden Embryos schlüpfen dann im Frühjahr wieder als Raupen, sodass der Kreislauf von Neuem beginnt.
Die erwähnten Brennhaare sind der Grund, warum die Gemeindeverwaltung Calvià diesen Monat gezielt Jagd auf die nestartigen Gespinste macht. Das Nesselgift der Tiere, das bei Kontakt Raupendermatitis auslöst, ist vergleichbar mit dem Berühren einer Brennnessel. In schweren Fällen jedoch reichen die Symptome von allgemeinen Krankheitserscheinungen wie Schwindel und Fieber bis hin zu starken Hautreizungen, Entzündungen von Augen und Bindehaut, Atemnot und Entzündungen der oberen Luftwege. Kinder und Personen, die zu allergischen Reaktionen neigen, sowie Hunde und Katzen sind besonders gefährdet.
So schützen Sie Ihre Haustiere
Und so können Sie sich und Ihre Haustiere aktuell vor den Kiefern-Prozessionsspinnern schützen: Raupen sowie Nester dürfen nicht berührt werden und befallene Waldstücke und Areale sind zu meiden, da die Brennhaare der Tiere sich auch über die Luft verbreiten. Nach vermutetem Kontakt sollte gründlich geduscht werden und kontaminierte Kleidung bei 60 Grad gewaschen werden, um das Nesselgift zu zerstören. Bei starken Symptomen wie Atemnot, schwerem Hautausschlag oder möglichen Entzündungen sollte man einen Arzt aufsuchen.
Hunde und Katzen, die mit den Brennhaaren in Berührung gekommen sind, können durch das Abschlecken ihrer Pfoten weiße Flecken ums Maul und auf der Zunge bekommen. Auch hier sind allergische Reaktionen möglich, die zum Anschwellen der Zunge, zu Erbrechen oder Erstickungsgefahr führen. In diesen Fällen sollte das Maul des Haustiers mit warmem Wasser und nur mit Handschuhen ausgespült werden. Das Aufsuchen eines Tierarztes wird auch bei leichten Reaktionen empfohlen.
Neben der derzeitigen Maßnahme setzt die Gemeinde Calvià von Juni bis Oktober Pheromonfallen gegen die männlichen Falter im öffentlichen Raum ein. Auch für Anwohner stellt die Stadtverwaltung Fallen zu subventionierten Preisen zur Verfügung. Von einem definitiven Ende für den Prozessionsspinner auf der Insel kann noch nicht gesprochen werden. Umso wichtiger ist es, kontinuierlich auf einen Rückgang der Tierart hinzuarbeiten und Sicherheitshinweise zu beachten.