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Es sind schon Hunderte: Immer mehr Hühner leben wild auf Mallorca!

Wo auch immer man sich auf Mallorca draußen aufhält, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass einem eines der gefiederten Wesen über den Weg läuft

Von einem Kreisverkehr in Manacor aus hatte das Problem im Jahr 2013 seinen Ausgang genommen. Mittlerweile nerven Tausende dieser Vögel überall auf der Insel die Menschen | Foto: Archiv Ultima Hora

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Man schrieb das Jahr 2013, als auf Mallorca eine Anreihung von sonderbaren Vorkommnissen den Blätterwald immer wieder rauschen ließ: In der grünen Mitte eines Kreisverkehrs in der zweitgrößten Inselstadt Manacor waren Woche für Woche mehr Hühner und krähende Hähne gesichtet worden. So etwas hatte man davor niemals auf dem Eiland erlebt. Autofahrer mussten den flatternden und gackernden Gesellen mitunter ausweichen, der Hype war so groß, dass den Federtieren sogar eine eigene Facebookseite gewidmet wurde.

Man glaubte damals, dass das Kreisverkehrsphänomen ein Einzelfall bleiben würde, zumal die „Rotonda”-Hühner im September 2015 im Rahmen einer mit langer Hand vorbereiteten Aktion rücksichtslos entfernt wurden. Doch diejenigen, die das Flatterphänomen für ein temporäres hielten, sollten sich gewaltig irren: Überall auf der Insel vermehrten sich in den darauffolgenden Jahren herrenlose Hühner fast wie die Fliegen, und dies vor allem jenseits von Kreisverkehren.

Im Jahr 2024 machte die Nachricht die Runde, dass Dutzende Hühner und krähende Hähne die Nachbarschaft im blütenweißen Ferienort Cala d’Or zur Verzweiflung brachten: Immer mehr dieser Kreaturen gackerten und krähten damals in Vorgärten, enterten Geschäfte und Hotels des 1933 gegründeten Urlauberdorados und flatterten manch einem laut um die Ohren. Das gediegene Residentenleben auf blitzsauberen Balkons war so sehr gefährdet, dass sogar Lokalpolitiker Alarm schlugen, um das Ganze für sich auszuschlachten. Sie forderten laut Strafen für Hühnerfütterer und groß angelegte Umsiedlungsaktionen, nur Pietätsgründe hielten sie davon ab, die nervenden Vögel en gros dem Suppentopf überantworten zu wollen. Doch das Ganze verlief wie so vieles auf der Insel still und leise im Sande.

Es kreucht und fleucht und flattert fast überall

Inzwischen trifft man auf Parkplätzen, an Bahnlinien, an Golfplätzen und sogar in Hotelgärten auf wilde Hühner. Im britischen Feriendorado Magaluf etwa kreucht und fleucht es an den Gehwegen neben der Ausfallstraße Richtung Autobahn so dicht, dass der geneigte Spaziergänger mitunter größte Mühe hat, dem flatternden Getier auszuweichen, um nicht draufzutreten. Auch nahe dem Parkplatz von Alcampo, Mallorcas größtem Einkaufszentrum in Marratxí, im Gewerbegebiet derselben Kommune und in Parks des Ferienortes Santa Ponça sieht man Hühner en masse. Erst in den vergangenen Tagen wurden in Manacor nicht weniger als etwa 200 Hühner entfernt, und zwar an der Avenida Majórica.

Laut Fachleuten betrifft die Plage inzwischen sage und schreibe 90 Prozent der Gemeinden auf Mallorca. „Sie sind zu einem echten Problem geworden”, zitierte die MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” kürzlich Mariano Mas, einen Züchter aus dem Dorf Santa Eugènia. „Oft werden wir gerufen, weil sie im Morgengrauen krähen und Nachbarn stören”, äußerte Antoni Mas, Chef der Stiftung Natura Park.

Beobachter reiben sich mittlerweile ob eines besonderen Phänomens die Augen: Die wilden Hühner sind kleiner, flinker und schlanker als gemeine verfettete Stallhühner. Sie nähern sich der Physiognomie ihrer Vorfahren an, den asiatischen Wildhühnern namens „Gallus gallus”.

Es ist halt, wie es ist: Die Hühner sind einfach da und werden wohl auf Gedeih und Verderb zum Insel-Inventar gehören.

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