Auf Mallorca steht in diesen Tagen ein nicht alltäglicher Geburtstag an. Das historische Seehandelsbörse Sa Llonja in Palma feiert am 11. März sein 600-jähriges Bestehen. Anlass ist die Unterzeichnung des Bauvertrags im Jahr 1426 zwischen dem damaligen Kaufmannskollegium der Stadt und dem Baumeister Guillem Sagrera, der das Gebäude im gotischen Stil entwarf.
Als der Grundstein gelegt wurde, sah die Welt freilich noch anders aus: Amerika war für die Europäer unbekannt, das Emirat von Granada bestand noch als muslimisches Reich auf der Iberischen Halbinsel, und Mallorca gehörte zur Krone von Aragón unter König Alfons dem Großmütigen. Sechs Jahrhunderte später sieht die Welt grundlegend anders aus – politisch, demografisch und ökologisch. Die einstige Seehandelsbörse steht jedoch noch am selben Fleck und prägt weiterhin das historische Zentrum von Palma.
Zum Jubiläum hat die Regionalregierung der Balearen eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, die direkt in der Sa Llonja stattfinden sollen. Den Auftakt bildet am 11. März ein Festakt mit einem Einführungsvortrag der Historikerin Sebastiana Sabater von der Balearen-Universität (UIB). Die Veranstaltung soll den Auftakt zu weiteren Vorträgen im März und April bilden. Diese widmen sich nicht nur der Geschichte der Llonja selbst, sondern auch dem benachbarten Consolat de Mar, einem weiteren Werk Sagreras. Dort residiert heute die Landesregierung.
Thematisch reichen die Beiträge von Architektur- und Kunstgeschichte über Stadtentwicklung bis hin zu rechtlichen Fragen der historischen Institutionen. Am Abend des Jubiläumstags ist zudem ein Konzert des Kammerorchesters von Mallorca geplant. Unter der Leitung von Bernat Quetglas steht unter anderem Mozarts Requiem auf dem Programm.
Tourismus- und Kulturminister Jaume Bauzà erklärte bei der Vorstellung der Feierlichkeiten, Ziel sei es, "nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen zu würdigen, sondern auch dessen öffentliche Bedeutung" zu betonen. Sa Llonja sei als Gebäude für die Allgemeinheit entstanden und bewahre bis heute seinen "offenen Charakter", zitierte ihn die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".