Nach dem folgenschweren Einsturz der Terrasse des Lokals Medusa Beach an der Playa de Palma vor zwei Jahren hat die Versicherung des damaligen Betreibers nun 300.000 Euro für die Opfer und Hinterbliebenen bereitgestellt. Das meldet an diesem Mittwoch die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung Ultima Hora. Bei dem Unglück am Abend des 23. Mai 2024 waren vier Menschen ums Leben gekommen, außerdem wurden 14 weitere Personen verletzt, teils schwer.
Bei der Summe handelt es sich um die maximale Versicherungssumme pro Schadensfall, die der Betreiber des Lokals abgeschlossen hatte. Gegen ihn wird weiterhin ermittelt. Die Justiz wirft ihm vier Fälle fahrlässiger Tötung sowie mehrere Fälle fahrlässiger Körperverletzung vor.
Betreiber zahlte bereits 250.000 Euro
Der österreichische Unternehmer Christian A., der seit den 1990er-Jahren auf Mallorca lebt, hatte bereits im vergangenen November 250.000 Euro hinterlegt. Dieses Geld soll den Angehörigen der Verstorbenen sowie den Verletzten zugutekommen.
In seiner Aussage vor Gericht wies A.eine direkte Verantwortung für die baulichen Mängel allerdings zurück. Stattdessen machte er seinen früheren Geschäftspartner sowie die Eigentümer der Immobilie für die Probleme verantwortlich.
Der Unternehmer beantwortete vor Gericht ausschließlich die Fragen seiner Verteidiger Agustín Aguiló und Ángel Aragón. Dabei erklärte er, dass er erst seit 2021 für den Betrieb verantwortlich sei und nichts mit den Umbauarbeiten aus dem Jahr 2013 zu tun habe.
Nach eigenen Angaben sei er auch nie darüber informiert worden, dass die damaligen Bauarbeiten ohne Genehmigung durchgeführt worden waren oder dass die technische Gebäudeprüfung ein negatives Ergebnis ergeben hatte.
Festnahme im Juni 2024
Der Betreiber, der auch andere Lokale in der Gegend führte, wurde im Juni 2024 von der spanischen Nationalpolizei festgenommen. Kurz darauf kam er jedoch wieder auf freien Fuß, nachdem er von seinem Recht Gebrauch gemacht hatte, keine Aussage zu machen.
Ermittlungen der Mordkommission sowie Techniker des Rathauses von Palma ergaben später, dass die eingestürzte Terrasse über keine gültige Genehmigung verfügte. Zudem bestätigte Palmas Bürgermeister Jaime Martínez, dass bereits der Bericht der Gebäudeinspektion aus dem Jahr 2023 negativ ausgefallen war.
Überlastung als mögliche Ursache
Der Einsturz ereignete sich seinerzeit gegen 20.20 Uhr dem "Beach-Club"-Lokal in der Calle Cartago 36. Nach dem technischen Bericht der Feuerwehr könnte eine Überlastung der Terrasse die Ursache gewesen sein. Demnach hielten sich 21 Personen gleichzeitig auf der Konstruktion auf.
Bei der Tragödie starben ein 44-jähriger Mann aus Senegal, eine 23-jährige Spanierin sowie zwei deutsche Touristinnen im Alter von 20 und 30 Jahren. Insgesamt 16 Menschen wurden bei dem Einsturz verletzt.