In Spanien und auf Mallorca sorgt derzeit eine ungewöhnliche Entdeckung für Aufmerksamkeit unter Wissenschaftlern: Zwei große asiatische Gottesanbeterinnen-Arten breiten sich zunehmend aus. Die Arten Hierodula tenuidentata und Hierodula patellifera wurden bereits in mehreren Regionen nachgewiesen. Experten befürchten, dass sie sich dauerhaft in Südeuropa etablieren könnten – mit möglichen Folgen für das ökologische Gleichgewicht.
Die Tiere sind deutlich größer als die heimische Gottesanbeterin und können mehr als zehn Zentimeter lang werden. Mit ihrer Größe wächst auch ihr Jagdspektrum: Neben Insekten stehen bei ihnen auch Eidechsen, Frösche und sogar kleine Vögel auf dem Speiseplan. Dadurch werden sie zu direkten Konkurrenten vieler einheimischer Arten.
Besonders problematisch ist, dass die asiatischen Gottesanbeterinnen auch ihre europäischen Verwandten nicht verschonen. Sie fressen mitunter sogar die heimische Gottesanbeterin und könnten deren Bestände langfristig verdrängen. Hinzu kommt ihre hohe Fortpflanzungsrate: Ein Weibchen kann Eigelege mit über 200 Nachkommen ablegen, die sich unter günstigen Bedingungen schnell entwickeln.
Nach Einschätzung von Forschern gelangten die Tiere vor allem über den internationalen Handel nach Europa. Ihre Eier können unbemerkt an Zierpflanzen, Containern oder Verpackungsmaterial aus Asien haften. Zudem sind erwachsene Tiere flugfähig und können sich so auch selbst weiter ausbreiten.
Begünstigt wird ihre Ausbreitung durch das zunehmend warme Klima in Südeuropa. Mildere Winter und längere Sommer schaffen ideale Bedingungen für wärmeliebende Arten. Experten fordern daher eine genaue Beobachtung der Entwicklung, denn sobald sich invasive Arten einmal großflächig etabliert haben, sind sie nur noch schwer zu kontrollieren.