Verbrauchern und Haushalten auf Mallorca könnte der Nahostkonflikt schon bald ein böses Erwachen bescheren. Branchenvertreter warnen vor steigenden Lebensmittelpreisen auf den Balearen. Ursache sind vor allem deutlich gestiegene Energie- und Transportkosten infolge der geopolitischen Spannungen am Golf.
Nach Angaben des Präsidenten des balearischen Verbands der Zulieferer für Lebensmittel und Getränke, Bartolomé Servera, haben mehrere europäische Hersteller Händler auf Mallorca bereits über bevorstehende Preiserhöhungen informiert. "Die spanischen Produzenten haben diesen Schritt noch nicht vollzogen, aber sie werden bald nachziehen", sagte Servera. Wie stark die Preise letztlich steigen werden, sei jedoch noch unklar und hänge davon ab, wie lange der Konflikt andauere.
Servera geht allerdings davon aus, dass die Auswirkungen "gravierender" sein könnten als während der Inflationskrise nach Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022. Damals erreichte die Inflation in Spanien kurzzeitig zweistellige Werte. Sollte sich der aktuelle Konflikt ausweiten oder länger hinziehen, könnten die Folgen für Energiepreise und damit auch für die Lebensmittelproduktion "deutlich stärker" ausfallen.
Bereits jetzt steigen die Kosten für Transport und Logistik spürbar. Nach Angaben aus der Branche haben Transportunternehmen ihre Preise angehoben, nachdem sich Treibstoffe deutlich verteuert haben. Das werde sich zwangsläufig auf die Preise vieler Produkte auswirken, so Severa. "Milch, Eier, Brot, Obst – alles wird teurer", warnte Servera. Produktion und Transport seien stark von Energie abhängig, weshalb steigende Kosten letztlich an die Verbraucher weitergegeben würden.
Auch landwirtschaftliche Genossenschaften schlagen Alarm. Cooperativas Agro-alimentarias de Baleares meldet seit Beginn des Konflikts einen Anstieg der Treibstoffpreise "um bis zu 50 Prozent". Diese Entwicklung sei "völlig ungerechtfertigt", heißt es in einer Mitteilung. Große Anbieter würden die Preise erhöhen, obwohl es bislang "keine tatsächlichen Engpässe" bei der Versorgung gebe.
Die höheren Energiekosten treffen die Landwirtschaft besonders hart. Neben teurerem Treibstoff stiegen auch die Preise für Futtermittel, Dünger und Transporte, klagt der Bauernverband. Dessen Vorsitzende Jerònima Bonafé warnte, viele Betriebe könnten die zusätzlichen Belastungen "langfristig nicht stemmen". Sollten die Energiepreise weiter steigen, sei nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe gefährdet, sondern auch die örtliche Lebensmittelproduktion auf den Inseln.
Die spanische Regierung kündigte bereits Gegenmaßnahmen an. Der Minister für soziale Rechte und Verbraucherschutz, Pablo Bustinduy (Sozialdemokraten, PSOE), erklärte, die Regierung arbeite an einem Maßnahmenpaket, um Haushalte vor steigenden Lebenshaltungs- und Energiekosten zu schützen. Ziel sei es, Familien und Arbeitnehmer angesichts der wirtschaftlichen Folgen des Konflikts zu entlasten.