Der Konflikt um Mallorcas berühmtestes Gebirge spitzt sich zu. Eine neue Bürgerinitiative namens „Dret de Pas“ („Recht auf Durchgang“) mobilisiert gegen den Gesetzentwurf für den westlichen Gebirgszug, der Serra de Tramuntana. Hinter der Plattform stehen nach eigenen Angaben rund hundert Aktivisten, vor allem Mountainbiker. Sie werfen dem Inselrat vor, mit dem geplanten Gesetz den Zugang zu traditionellen Wegen massiv einzuschränken – und rufen für Ende März zu einer Protestkundgebung im Ort Selva auf.
Der Hintergrund: Die Gebirgskette im Nordwesten Mallorcas ist nicht nur das spektakulärste Naturgebiet der Insel, sondern seit 2011 auch UNESCO-Welterbe. Gleichzeitig ist sie ein Magnet für Outdoor-Sportler geworden – von Wanderern über Trailrunner bis zu Mountainbikern. Genau diese wachsende Nutzung will der Inselrat nun stärker regulieren.
Strengere Regeln für Wege und Privatgrund
Im Vorentwurf des neuen Tramuntana-Gesetzes sind mehrere tiefgreifende Änderungen vorgesehen. Ein zentraler Punkt betrifft die Eigentumsverhältnisse im Gebirge: Ein Großteil der Fläche befindet sich in Privatbesitz. Viele historische Wege führen deshalb über private Grundstücke, auch wenn sie seit Jahrhunderten von Einheimischen und Wanderern genutzt werden.
Künftig soll für Freizeitaktivitäten auf solchen Flächen eine vorherige Zustimmung der Eigentümer erforderlich sein, dokumentiert schriftlich oder digital. Für Wanderer, Radfahrer oder Kletterer könnte das bedeuten, dass der Zugang zu bestimmten Routen nur noch mit Genehmigung möglich ist – ein Verfahren, das Kritiker als kaum praktikabel bezeichnen.
Besonders heikel ist aus Sicht der Mountainbiker jedoch eine weitere geplante Regel: Fahrräder sollen künftig ausschließlich auf offiziell ausgewiesenen Strecken erlaubt sein. Diese Routen sollen in einer offiziellen Karte festgelegt werden, die Teil der neuen Regulierung sein soll. Genau diese Karte existiert bislang jedoch noch nicht – und auch ein vollständiges Verzeichnis der öffentlichen Wege in der Tramuntana fehlt bis heute. Aktivisten befürchten deshalb, dass zunächst viele Wege faktisch gesperrt wären, bis sie irgendwann offiziell freigegeben werden.
Mountainbiker sprechen von „versteckter Wegsperrung“
Die Initiative „Dret de Pas“ sieht darin eine schleichende Einschränkung des Zugangs zur Berglandschaft. Wenn man für jeden Weg über Privatgrund eine Genehmigung einholen müsse, komme das in der Praxis einer Sperrung gleich, argumentieren die Aktivisten. Viele historische Routen würden seit Generationen genutzt, auch wenn sie über private Fincas führen.
Die Gruppe betont zwar, dass sie Schutzmaßnahmen für Natur und Kulturerbe grundsätzlich unterstützt. Doch der aktuelle Gesetzestext gehe zu weit und sei zudem in zentralen Punkten unklar formuliert. Vor allem stößt den Bikern auf, dass ihre Sportart immer wieder als Hauptursache für Schäden an Wegen genannt wird.
Forscher warnen vor schleichender Erosion
Ganz von der Hand zu weisen ist die Sorge um die empfindliche Berglandschaft allerdings nicht. Geologen der Universitat de les Illes Balears beschäftigen sich seit Jahren mit der sogenannten Mikro-Erosion in der Tramuntana. Dabei handelt es sich um einen langsamen, oft kaum wahrnehmbaren Prozess: Durch tausende Schritte oder Reifenbewegungen wird der lockere Boden auf den schmalen Bergpfaden Stück für Stück abgetragen.
Besonders problematisch ist dies in steilen Passagen oder auf Wegen mit dünner Erdschicht über Kalkgestein. Wenn Wanderer oder Radfahrer Abkürzungen nehmen oder Trails verbreitern, entstehen zusätzliche Trampelpfade. Bei Regen wird das lockere Material ausgewaschen – aus einem schmalen Pfad kann dann im Laufe der Jahre eine tiefe Erosionsrinne werden. Forscher weisen darauf hin, dass Reifen auf losem Untergrund stärkere Kräfte entwickeln können als einzelne Fußgänger, was den Effekt in bestimmten Situationen verstärken kann.
Konflikt zwischen Natur und Freizeitboom
Der Streit um das Gesetz zeigt ein Grundproblem der Insel: Die Tramuntana erlebt seit Jahren einen regelrechten Boom beim Aktivtourismus. Immer mehr Besucher erkunden die Berge zu Fuß oder mit dem Rad. Für die Region ist das wirtschaftlich attraktiv – gleichzeitig wächst aber auch der Druck auf Wege, Naturflächen und private Grundstücke.