Die katholische Kirche auf Mallorca hat Unterstützung bei der Unterbringung ehemaliger Bewohner der geräumten Haftanstalt von Palma angeboten. Bischof Sebastià Taltavull empfing im bischöflichen Palast Vertreter von Behörden und kirchlichen Sozialorganisationen, um mögliche Lösungen für die rund 200 Menschen zu erörtern, die zuletzt in dem Gebäude lebten.
Nach Angaben des Bistums schlug man den öffentlichen Verwaltungen "verschiedene Räume und Ressourcen" vor, die für eine vorübergehende Unterbringung genutzt werden könnten. Ziel sei es, besonders dringende Fälle kurzfristig zu lösen. Zugleich hätten die Teilnehmer des Treffens betont, dass "jede Situation einzeln geprüft" werden müsse, um passende Lösungen zu finden. An dem Gespräch nahmen neben kirchlichen Einrichtungen auch Vertreter der Stadt Palma, des Inselrats von Mallorca und der balearischen Regionalregierung teil.
Die Suche nach Unterkünften ist eine unmittelbare Folge der umstrittenen Räumung der ehemaligen Haftanstalt. Die Stadt Palma hatte den Schritt mit Sicherheitsbedenken begründet, nachdem es in dem Gebäude in den vergangenen Wochen mehrfach gebrannt hatte. Nach Angaben des Rathauses lebten zuletzt 206 Menschen unter "prekären Bedingungen" in der Anlage nahe des Einkaufszentrums Ocimax.
Politisch sorgt das Vorgehen weiterhin für scharfe Kritik. Die sozialdemokratische PSOE im Rathaus wirft der konservativ geführten Stadtregierung vor, das Gebäude geräumt zu haben, "ohne zuvor ausreichende Alternativen" organisiert zu haben. PSOE-Stadtrat Pepe Martínez erklärte, die Stadt habe die Räumung durchgezogen und "anschließend Hilfe bei verschiedenen Institutionen" gesucht, darunter Armee, Kirche und soziale Organisationen.
Als Reaktion auf die bislang erfolglose Suche legte die PSOE eine Liste mit Immobilien aus dem Besitz von Politikern der konservativen Parteien PP und Vox im Rathaus vor. Nach Angaben der Sozialdemokraten umfasst sie 42 Wohnungen sowie ein Hotel mit 30 Betten, in denen insgesamt "etwa 156 Menschen" Platz finden könnten. Grundlage der Recherche seien die Vermögenserklärungen der Amtsträger. Wenn die Regierung die Unterbringung der Betroffenen als "Akt der Nächstenliebe" darstelle, solle sie "mit gutem Beispiel vorangehen", sagte Martínez.
Während die politische Debatte anhält, berichten Anwohner aus den Vierteln rund um das ehemalige Gefängnis bereits von ersten obdachlosen Ex-Bewohnern in Hauseingängen. Nach Angaben eines Nachbarschaftsvereins haben "etliche Menschen" begonnen, in den Portalen der Umgebung Schutz vor Regen und Kälte zu suchen.
Soziale Initiativen hatten diese Entwicklung bereits vor der Räumung vorausgesagt und warnen, dass sich viele der ehemaligen Bewohner ohne Unterkunft über die umliegenden Stadtteile verteilen könnten. Organisationen sammeln inzwischen Zelte und Schlafsäcke für den Fall, dass weitere Menschen auf der Straße landen.