Noch reichlich Termine frei hat der Besitzer einer Wohnung in Palmas Stadtteil El Terreno. Also startete er kurzerhand einen Aufruf in einer Mallorca-Gruppe auf Facebook: "Hallo zusammen, sucht jemand eine Wohnung zur Ferienmiete in Palma?", heißt es darin. Zentrale Lage, Supermärkte in der Nähe, eigener Garten – die Liste der angepriesenen Vorteile ist lang. Dass es sich bei dem Angebot um illegale Ferienvermietung handelt, ist dagegen nirgends erwähnt.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Immobilienbesitzer ohne Ferienvermietungslizenz zunehmend andere Kanäle zur Kundensuche nutzen, als die üblichen Plattformen wie Airbnb oder Booking.com, seit die Kontrolleure des Inselrats diese verstärkt ins Visier genommen haben. Auch beim Messenger-Dienst Telegram etwa findet man problemlos solche Angebote. Dazu kommt die Vermietung im Bekannten- oder Freundeskreis. Stichwort: die gute alte Pinnwand im Büro.
Wie groß dieser illegale Markt ist, weiß niemand. Lediglich einen Anhaltspunkt liefert die offizielle Tourismusstatistik. Derzufolge stiegen im vergangenen Jahr mehr als 3,5 Millionen der insgesamt 19 Millionen Balearen-Urlauber weder im Hotel, noch in einer legalen Ferienwohnung ab. 2,2 Millionen davon übernachteten demnach in einer Immobilie von "Freunden oder Bekannten". In diese Gruppe dürften auch die Nutzer illegaler Ferienimmobilien fallen.
"Man muss sich klar machen, dass dies in etwa dem Anteil der Urlauber entspricht, die in legalen Ferienwohnungen absteigen", sagt Maria Gibert, Geschäftsführerin des Ferienvermietungsverbandes Habtur. Es sei hinlänglich bekannt, dass viele Immobilienbesitzer ihre Häuser oder Wohnungen auf Mallorca an den etablierten Kanälen vorbei anbieten. "Das macht einen Großteil des Problems der illegalen Ferienvermietung aus."
Denn in diesen Fällen ist es nahezu unmöglich, den Anbietern auf die Spur zu kommen. "Natürlich kann ein Nachbar Anzeige erstatten", sagt Gibert. Damit diese auch Erfolg habe, brauche es aber Beweise. Und die gebe es in der Regel nicht. "Die Immobilienbesitzer instruieren ihre Kunden, was sie im Falle einer Kontrolle sagen sollen." Und zwar, dass sie eben gratis bei „Freunden oder Bekannten” untergekommen seien.
Auch beim für die Überprüfung des touristischen Angebots zuständigen Inselrat räumt man ein, in solchen Fällen machtlos zu sein. Die Inspekteure nutzten zwar automatisierte Verfahren zur Auswertung von Daten aus öffentlich zugänglichen Websites wie Airbnb oder Booking.com, um Angebote ohne Lizenz ausfindig zu machen. Auf anderen Plattformen sei das aber aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, heißt es aus dem Tourismusdezernat. "Uns ist aber bewusst, dass dieses Problem existiert."
Keineswegs nur über Obskure Kanäle
Illegale Angebote findet man jedoch keineswegs nur über obskure Kanäle, Mundpropaganda oder direkte Kontakte. Selbst bei etablierten Internetanbietern wie Airbnb gibt es weiterhin reichlich Ferienwohnungen ohne Lizenz. Öffentlichkeitswirksam angeprangert hat das kürzlich der Fraktionssprecher der Sozialisten im Balearen-Parlament, Iago Negueruela. Der mietete kurzerhand eine auf Airbnb beworbene Ferienwohnung, für die es keine Lizenz gab, und lud dann die Presse dorthin ein, um auf die mangelhaften Kontrollen aufmerksam zu machen.
Tatsächlich ergibt jede noch so oberflächliche Suche bei Airbnb eine ganze Reihe von fragwürdigen Treffern, darunter zahlreiche Apartments und Wohnungen in Palma – obwohl die Ferienvermietung in Mehrfamilienhäusern in der Inselhauptstadt schon seit Jahren verboten ist. Es drohen Geldstrafen in Höhe von bis zu 400.000 Euro. Dazu kommt, dass die Vermieter ihre Einnahmen nicht versteuern. Der Inselrat hat zwar vor einiger Zeit verkündet, die Internetplattformen zur Zusammenarbeit und zur Löschung der illegalen Angebote bewogen zu haben. Gelöst ist das Problem dadurch aber offenbar nicht.