Die Insel wird um eine traditionellen Betrieb ärmer: Die zum Damm-Bierkonzern gehörende Agama-Molkerei soll im Laufe des Jahres zugemacht werden. Den nur noch 14 Mitarbeitern des Betriebs in Palma, wo auch Tetrapaks der Kult-Kakaomarke Laccao abgefüllt werden, wurde die unschöne Nachricht vor einigen Tagen bei einer Betriebsversammlung mitgeteilt.
Vorausgegangen waren monatelange vergebliche Verhandlungen zwischen dem katalanischen Getränkekonzern, Gewerkschaftern, Landwirten und Vertretern der balearischen Regionalregierung, die das Überleben der 68 Jahre alten Molkerei irgendwie sicherstellen sollten. Im Gespräch war etwa eine 25-prozentige staatliche Beteiligung.
Doch all das ließ sich betriebswirtschaftlich nicht realisieren, weshalb der Insel erneut eine Branche jenseits des Tourismus’ abhanden kommt – nach der Schließung der Zementfabrik in Lloseta und, bereits schon vor vielen Jahren, einer Abfüllanlage von Coca-Cola sowie dem fast völligen Verschwinden etwa der Schuhindustrie in Inca schon vor Jahrzehnten.
Die lediglich noch drei landwirtschaftlichen Betriebe in Campos, Canyamel und Llubí, die zuletzt etwa 300.000 Liter Mallorca-Milch pro Monat an die Molkerei lieferten – vor Jahrzehnten waren es noch 270 Höfe gewesen – stehen auf einmal ohne Abnehmer da, was sie laut der MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” in Schockstarre versetzte. „Es war ein sehr schwerer Schlag”, sagte ein Bauer. Den Landwirten stößt laut Medienberichten vor allem auf, dass ihnen ursprünglich versprochen worden sei, ihre Milch bis September abzunehmen. Aber jetzt sei ihnen gesagt worden, dass schon Ende März Schluss sei, also in weniger als zwei Wochen.
Lokalpolitiker sind wütend
Auch Lokalpolitiker reagierten wütend auf die unschöne Entwicklung. Die von der konservativen Bürgermeisterin Francisca Porquer regierte Gemeinde Campos, in welcher immer im Frühling öffentlichkeitswirksam die schönste Kuh der Insel gewählt wird, will die Vertreter des Damm-Konzerns sogar offiziell zu „unerwünschten Personen” erklären, eine Handlung mit lediglich symbolischer Kraft. Eine entsprechende Gemeinderatssitzung wurden für den 26. März angesetzt. Das Unternehmen mit Sitz in Barcelona habe die Landwirte in eine Situation völliger Ungewissheit gestürzt, so die empörte Lokalpolitikerin.
Wobei die Verbraucher weiterhin frohgemut Agama-Milch kaufen können. Denn die Marke bleibt erhalten, nur abgefüllt werden die Behältnisse nicht mehr auf Mallorca, sondern auf dem spanischen Festland. Was im Übrigen schon eine geraume Zeit für die typischen runden Glasflaschen des legendären Laccao-Kakaos gilt. Das seit 1944 existierende Gesöff hat ganze Insel-Generationen seelisch geprägt, die Flaschen werden schon seit längerem in Katalonien gefüllt, und dies unter der Ägide der Firma Cacaolat, ebenfalls ein Damm-Ableger. Was sich jetzt ändert, ist die Tatsache, dass die Ein-Liter-Tetrapaks von Laccao, die man beispielsweise in Eroski-Supermärkten erstehen kann, ebenfalls nicht mehr auf dem Eiland mit Inselmilch versehen werden.
Den verbliebenen 14 von Anfang der 1990er Jahre noch 220 Mitarbeitern der an der Ausfallstraße von Palma nach Manacor liegenden Molkerei droht immerhin nicht die Arbeitslosigkeit: Sie sollen Jobs in anderen Bereichen des Damm-Konzerns erhalten.