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MASSENTOURISMUS

"Urlauber nicht willkommen" – Tourismusfeindliche Schmierereien an beliebter Flaniermeile in Palma de Mallorca

Vor wenigen Tagen war ein neues Yoga-Studie das Ziel gästefeindlicher Parolen, jetzt mussten Bäume an der Flaniermeile La Rambla daran glauben.

Nur schwer von der Rinde zu entfernen: Schmierereien mit Farbstiften. | Foto: F.F.

| Palma, Mallorca |

Ein gewisses Maß an Tourismusfeindlichkeit ist auf Mallorca längst kein neues Phänomen mehr. An diesem Mittwoch war sie im Zentrum Palmas erstmals auf Bäumen zu sehen. Unbekannte sprühten in der Nähe der stark frequentierten Flaniermeile La Rambla den Schriftzug "Tourists not welcome" auf einen Baum. Die Stelle wird Tag für Tag von Tausenden Urlaubern passiert.

Der Vorfall sorgte nach Darstellung der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" bei Anwohnern und Geschäftsleuten für Unmut und Unbehagen – nicht nur wegen der Botschaft, sondern auch wegen der Beschädigung des Stadtgrüns. Die Entfernung der Farbe sei bei Bäumen deutlich aufwendiger als bei Hauswänden und könne "dauerhafte Schäden" an der Rinde hinterlassen.

Zwei Vorfälle in wenigen Tagen

Schmierereien, die Mallorcas wichtigsten Wirtschaftszweig anprangern, tauchen in letzter Zeit häufig auf. Erst vor wenigen Tagen war im Viertel Pere Garau ein neu eröffnetes Yoga-Studio einer deutschen Auswanderin mit angeschlossenem Café Ziel einer ähnlichen Aktion geworden. Auf Schaufenster und Fassade prangte der Schriftzug "Weniger Tourismus, mehr Kiez". Damit spielen die Täter vermutlich auf die beginnende Gentrifizierung des traditionellen Arbeiter und -Einwandererviertels an.

Die deutsche Betreiberin zeigte sich "unfassbar traurig". Sie will ihr Unternehmen bewusst als "Ort der Begegnung" konzipiert haben, auch für Einheimische. Die Kritik am Massentourismus könne sie zwar nachvollziehen, diese Form der Anfeindung lehne sie jedoch ab. Die Schmierereien wurden inzwischen entfernt.

Ähnliche Vorfälle sind auch aus anderen Teilen der Insel bekannt, bleiben jedoch bislang punktuell. Branchenvertreter hatten bereits zuvor vor einer zunehmenden Zuspitzung gewarnt und auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus hingewiesen.

"We Love Tourism"

Bereits im Sommer 2024 hatte ein Zusammenschluss von Unternehmen aus dem Lebensmittel-, Getränke- und Reinigungssektor mit der Kampagne "We Love Tourism" vor einer zunehmenden Tourismusfeindlichkeit gewarnt. Anlass waren damals aggressivere Parolen und vereinzelte Übergriffe im Umfeld von Protesten. Der Verband betonte, Urlauber seien "mehr als nur Besucher", sie bildeten die wirtschaftliche Grundlage vieler Betriebe. Zugleich wurde eingeräumt, dass es strukturelle Probleme im Tourismussektor gebe, die gelöst werden müssten – allerdings ohne ein feindliches Klima gegenüber Gästen zu schaffen.

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