Die spanische Zentralregierung hat die Entfernung des umstrittenen Sa-Feixina-Denkmals in Palma de Mallorca angeordnet und damit eine neue Eskalationsstufe im Streit um den Umgang mit Relikten aus Zeiten der Franco-Diktatur gezündet. Eine entsprechende Resolution des Ministeriums für Territorialpolitik und Demokratisches Gedenken (Ministerio de Política Territorial y Memoria Democrática) sieht vor, dass das Monument im Herzen der Stadt aus dem öffentlichen Raum verschwindet. Im Falle einer Nichtbefolgung könnten rechtliche Schritte auf Grundlage des Gesetzes Ley de Memoria Democrática eingeleitet werden.
Die Entscheidung fiel zeitlich brisant und buchstäblich in letzter Minute: Im Rathaus von Palma wurde sie am Donnerstagvormittag bekannt. Eine Mehrheit aus konservativer Volkspartei (PP) und der rechtsgerichteten Vox hatte sich gerade angeschickt, eine Änderung des Stadtentwicklungsplans zu verabschieden, die dem Sa-Feixina-Denkmal maximalen Schutz gewähren sollte. Madrid kam Palma somit wenige Minuten zuvor.
Grundlage der Regierungsentscheidung ist ein "endgültiges und bindendes" Gutachten einer Expertenkommission. Diese stuft das Denkmal als Symbol ein, das der demokratischen Erinnerung widerspreche. Es sei während der Franco-Diktatur errichtet worden, um die aufständischen Kräfte zu ehren, die beim Untergang des Kreuzers Baleares im März 1938 ums Leben kamen. Das Monument sei Teil einer "symbolischen Strategie zur Legitimierung der Diktatur", die sowohl den Bürgerkrieg als auch die anschließende Repression rechtfertigen sollte, befand Madrid.
Die Expertenkommission betont zudem den "ideologischen Charakter" des Bauwerks. Es müsse als Beispiel für den "franquistischen Totenkult" verstanden werden, der bewusst ausschließlich "die Gefallenen der eigenen Seite würdigte" und jede Form von Erinnerung an die republikanischen Opfer ausgeblendet habe. Auch die Gestaltung des Denkmals sei Ausdruck dieser Ideologie: Der monolithische Aufbau und die Platzierung im öffentlichen Raum stünden für Werte wie "Hierarchie, Machtanspruch und symbolische Dominanz".
Zwar wurden dem Denkmal im Jahr 2010 franquistische Embleme und Inschriften entfernt. Dennoch sei seine "ästhetische Form untrennbar mit dem politischen Kontext seiner Entstehung" verbunden. Ein eigenständiger künstlerischer Wert lasse sich daraus nicht ableiten. "Seine künstlerischen Eigenschaften sind kein ausreichendes Argument für seinen Verbleib im öffentlichen Raum", heißt es in dem Bericht.
Die Anordnung der Regierung sieht vor, das Denkmal nach seiner Entfernung einzulagern und unter staatlicher Aufsicht zu verwahren – eine öffentliche Ausstellung ist ausdrücklich ausgeschlossen. Mit der Entscheidung ist der Verwaltungsweg abgeschlossen, allerdings kann dagegen noch Beschwerde eingelegt werden.
Scharfe Kritik kommt von der Denkmalschutzorganisation ARCA. Sie hält den Vorstoß der Regierung für "rechtlich fragwürdig" und geht davon aus, dass er vor Gericht "kaum Bestand haben" werde. Sowohl das balearische Denkmalschutzgesetz als auch frühere Regelungen zur historischen Erinnerung hätten sich für seine Erhaltung ausgesprochen.
ARCA verweist zudem auf die "architektonische Bedeutung" des Bauwerks. Es handle sich um ein rationalistisches Werk des "angesehenen Architekten Francisco Roca Simó, das international Anerkennung" gefunden habe.
Die Organisation weist auch die politische Einordnung des Denkmals zurück. Sa Feixina sei "kein faschistisches Monument", sondern ein städtischer Bezugspunkt, der sich gegen Krieg und Diktatur richte. Die gegenteilige Interpretation der Regierung verfälsche die Realität.
Der Konflikt um das Denkmal steht exemplarisch für die anhaltenden Spannungen in Spanien bei der Aufarbeitung der Franco-Zeit. Während die sozialdemokratisch geführte Regierung auf eine konsequente Entfernung diktaturbezogener Symbole drängt, pochen Kritiker auf den Erhalt historischer Bausubstanz und warnen vor einer politisch motivierten Neubewertung von Kulturgütern.