In der Kapitale Mallorcas tauschen immer mehr Frauen ihre High Heels gegen flache Schuhe. Löcher, Risse, hochstehende Pflastersteine – das sind nur einige der Hindernisse, die Fußgängerinnen und Fußgänger täglich in Palma überwinden müssen. Wer Pech hat, rutscht aus, stolpert oder landet im schlimmsten Fall auf dem Boden.
Eine Einwohnerin, die anonym bleiben möchte, beklagt gegenüber den Journalistenkollegen der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" den schlechten Zustand der Gehwege, über die "täglich Tausende von Bürgern gehen". Besonders problematisch seien Straßen wie El Borne oder Jaime III, die sich durch ihre Rutschigkeit "zu regelrechten Eisbahnen" entwickelt hätten. Sie fragt sich, wie viel die Stadtverwaltung in die Pflege und Instandhaltung investiert. Für sie ist klar: Auf High Heels zu gehen, sei inzwischen "eine Hochrisikosportart". Die ständigen Unebenheiten hätten bereits ihre Absätze ruiniert. "Diese Vernachlässigung der Straßen, die aus abgenutzten alten Materialien bestehen, wird zum Verhängnis für jeden, der sie benutzt", sagt sie.
Bild der Schlaglöcher auf den Straßen von Palma. (Foto: Llucia Costa)
Auch Stadtteile wie Pere Garau, Son Oliva und Son Serra geraten immer wieder in die Schlagzeilen wegen beschädigter Gehwege. Allein in Pere Garau meldeten Bürgerinnen und Bürger 110 Vorfälle an eine entsprechende Hotline. Jetzt stehen die Gehwege der Calle de los Olmos, der Calle San Miguel und der Plaza Mayor im Fokus: selbst bei trockenem Wetter rutschig, voller Risse oder mit herausgebrochenen Pflastersteinen.
Gehwege in Palma selbst bei trockenem Wetter rutschig
Die Spanierin Nieves, die im Schuhgeschäft "Cienpiés" arbeitet, beobachtet den Trend täglich. "Wenn man durch die Straßen geht, sieht man, dass alle Turnschuhe tragen", sagt sie. Die Gehwege seien "ein einziges Chaos, man rutscht sehr leicht aus, manche Leute stolpern". Immer öfter höre sie Kundinnen berichten, dass sie auf der Straße gestürzt seien. Deshalb suchten viele nach Schuhen, die bequemer seien und besseren Halt böten. Trotzdem beeinflusse das den Verkauf nicht wesentlich, erklärt Nieves, da "Mode und Trends" weiterhin entscheidend seien.
Flavia Almirón, 50, arbeitet seit drei Jahren im Geschäft "Fancy, chic & comfy shoes" in der Calle de San Miguel. Früher hätten Frauen beim Ausgehen High Heels getragen, heute entscheide man sich eher für Turnschuhe oder kleine Absätze. Der Wandel sei auch ein Ausdruck veränderter Kleidungsnormen: "Früher musste man sich schicker kleiden, heute kleidet man sich eher leger", sagt Almirón.
Fernando Ferreiro, Schuhmacher im Geschäft "El Artesano" mit über 45 Jahren Erfahrung, bestätigt die Folgen für die Schuhe. Pro Tag kämen durchschnittlich 20 Paar in sein Geschäft, viele beschädigt durch unebene Gehwege. Reparaturen von Schuhkappen und Sohlen kosten bis zu 25 Euro und dauern drei bis vier Tage. Ferreiro merkt an, dass sein Beruf langsam ausstirbt, während die Straßenprobleme bleiben.