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FINCA-FERIEN

Der Preis der Idylle: Urlaub auf dem Land treibt Wasserverbrauch und Autoverkehr in die Höhe

Eine Studie widmet sich dem Phänomen des ländlichen Tourismus in der Küstengemeinde Pollença. Und kommt zu dem Schluss, dass dieser maßgeblich zu brennenden Problemen beiträgt.

Auch bei deutschsprachigen Feriengästen sehr beliebt: Die im Norden Mallorcas gelegene Gemeinde Pollença. | Foto: Archiv

| Palma de Mallorca |

Der beliebte Urlaubsort Pollença auf Mallorca entwickelt sich zunehmend zu einem Testfall für die Folgen des Tourismus in ländlichen Bevölkerungsstrukturen. Eine aktuelle Untersuchung des Wissenschaftlers Miquel Rosselló Xamena beziffert erstmals genauer, welchen Einfluss touristisch genutzte Häuser in Randlagen auf zentrale Ressourcen wie Wasser und Mobilität haben.

Die im Rahmen des Projekts Cases que no existeixen (Häuser, die nicht existieren) und unter Beteiligung von Anwohnern entstandene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Wohngebäude auf sogenanntem suelo rústico jährlich einen zusätzlichen Wasserverbrauch von rund 751.000 Kubikmetern verursachen. Das entspreche etwa 41,4 Prozent des durchschnittlichen kommunalen Gesamtverbrauchs. Besonders problematisch sei laut Untersuchung, dass diese Gebäude meist nicht an ein öffentliches Wassernetz angeschlossen sind, sondern über eigene Brunnen oder Zisternen versorgt werden. Eine verlässliche Kontrolle des tatsächlichen Verbrauchs werde dadurch erschwert.

Die Themen Wasser und Verkehr gehörten gleichzeitig zu den meistgenannten Sorgen der Bevölkerung, so der Wissenschaftler. Ein Großteil der insgesamt 133 von Rosselló ausgewerteten Fragebögen von Bürgern habe sich auf diese beiden Themen konzentriert und darauf, wie sich das touristische Modell der verstreut liegenden Ferienhäuser auswirkt.

Die Daten zur Mobilität zeichnen dabei ein klares, wenn auch nicht überraschendes Bild: Der Tourismus in ländlichen Gebieten gehe mit einer starken Abhängigkeit vom Auto einher. Während in städtischen Wohnlagen lediglich 3,4 Prozent der Haushalte ein Fahrzeug benötigten, um einen Supermarkt zu erreichen, liege dieser Anteil im ländlichen Raum bei 63,6 Prozent.

Noch deutlicher fällt der Unterschied bei anderen Alltagswegen aus. So seien 98,1 Prozent der Häuser im Außenbereich auf einen motorisierten Untersatz angewiesen, um an den Strand zu gelangen – im Vergleich zu 22,8 Prozent im Ort. Selbst der Weg zur nächsten Bushaltestelle sei für mehr als die Hälfte der Haushalte (53,5 Prozent) ohne Auto kaum möglich.

Diese Abhängigkeit verstärkt laut Studie nicht nur den Druck auf Straßen und ländliche Wege, sondern begünstige auch ein besonders flächenintensives Tourismusmodell mit größerem ökologischen Fußabdruck im Vergleich zu kompakteren Formen der Unterbringung.

In Pollença gibt es nach offiziellen Zahlen derzeit 2.634 Wohnhäuser im ländlichen Raum. Rund 63,29 Prozent davon werden über touristische Plattformen à la Airbnb vermarktet. Dieses Modell habe der Gemeinde über Jahre hinweg zwar wirtschaftliche Impulse gegeben, stehe nun jedoch zunehmend im Mittelpunkt der Debatte über seine langfristige Tragfähigkeit, kommt die Studie zu dem Schluss. Die zentrale Frage sei nicht mehr nur, wie groß die Auswirkungen sind, sondern "bis zu welchem Punkt sie noch tragbar sind".

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