Die alteingesessene Balearen-Universität UIB (Universitat de Illes Balears) hat seine Position als Platzhirsch auf Mallorca verloren. Mit der geplanten Gründung der privaten Universitat de Mallorca (UMAC) entsteht erstmals ein ernstzunehmender Konkurrent, der das akademische Angebot auf der Insel deutlich erweitern will.
Nach mehr als drei Jahren Vorbereitung hat das Projekt am Dienstag eine entscheidende Hürde genommen: Das Regionalparlament verabschiedete ein Gesetz, das der neuen Hochschule die rechtliche Grundlage gibt. Hinter der UMAC steht unter anderem die Bildungseinrichtung ADEMA, die bislang als angeschlossenes Zentrum der UIB tätig war und sich nun eigenständig aufstellt.
Die neue Universität will vor allem Studiengänge anbieten, die es bislang auf Mallorca nicht gab. Viele junge Menschen waren bisher gezwungen, für bestimmte Fächer auf das spanische Festland auszuweichen. Künftig sollen unter anderem Architektur, Videospiel-Design oder Dateningenieurwesen direkt auf der Insel studiert werden können. Einen Schwerpunkt bildet zudem der Gesundheitsbereich, in dem bereits bestehende Programme – etwa Zahnmedizin – ausgebaut und um neue Angebote ergänzt werden.
Die UMAC plant vier Standorte, drei in Palma und einen in Inca, sowie einen zusätzlichen Online-Campus. Die Einrichtungen sollen mit moderner Infrastruktur ausgestattet sein, darunter biomedizinische Labore, Simulationszentren und Anwendungen für virtuelle Realität und Künstliche Intelligenz. Langfristig rechnet die Universität mit bis zu 3500 Studienplätzen.
Ein zentrales Element des Konzepts ist ein umfangreiches Stipendienprogramm. Nach Angaben der Initiatoren könnten Stipendien "in Einzelfällen die gesamten Studienkosten" abdecken. Berücksichtigt würden neben der akademischen Leistung auch soziale Kriterien, Spitzensport sowie Forschungsleistungen. Zudem seien spezielle Mobilitätsstipendien für Studierende von den Nachbarinseln (Menorca, Ibiza und Formentera) vorgesehen. Insgesamt wolle die Universität in den kommenden zehn Jahren "bis zu 6,8 Millionen Euro" in die Förderung investieren.
Die Initiatoren sehen in dem Projekt nicht nur eine Erweiterung des Bildungsangebots, sondern auch einen wirtschaftspolitischen Impuls. Ziel sei es, "die Wissensökonomie zu diversifizieren, die Forschung zu stärken, Talente auf den Balearen zu halten und internationale Experten anzuziehen". ADEMA-Präsident Diego González sprach im Parlament von einer "großen Freude und Verantwortung": "Wir haben eine neue Universität auf Mallorca.“
Der Studienbetrieb soll möglichst bald beginnen, möglicherweise bereits im kommenden September zunächst mit Postgraduiertenprogrammen. Die Einführung weiterer Studiengänge hänge von "externen Akkreditierungen" ab und dürfte schrittweise erfolgen.
Inhaltlich setzt die UMAC auf ein interdisziplinäres Modell mit starkem Praxisbezug. Lehrformate wie projektbasiertes Lernen, Gamification und enge Kooperationen mit Unternehmen sollen von Beginn an eine zentrale Rolle spielen. Die Lehre soll mehrsprachig in Spanisch, Katalanisch und Englisch stattfinden, einzelne Programme sollen gezielt international ausgerichtet werden. Partnerhochschulen gebe es unter anderem in Deutschland und in der Schweiz.
Auch in der Forschung will die neue Hochschule an bestehende Aktivitäten anknüpfen und diese ausbauen. Schwerpunkte sollen unter anderem in der Gesundheitsforschung liegen, etwa bei Herz-Kreislauf-Risiken, Ernährung, Künstlicher Intelligenz in der Medizin sowie der Krebsfrüherkennung.