Eifrig stochert eine Gruppe Säbelschnäbler im Schlick. Zwei Brandgänse watscheln durch das flache Wasser. Gleich nebenan trocknet ein Kormoran sein Gefieder. Im Hintergrund staksen Flamingos durch die Lagune, die – ihre langen Hälse tief gebeugt – ebenfalls auf Nahrungssuche sind. Am schmalen Fensterschlitz eines Bretterverschlages sitzt derweil ein Ornithologen-Pärchen und beobachtet die Szene durchs Fernglas.
Es ist Frühjahr und damit die beste Zeit für einen Besuch im Naturpark s'Albufera auf Mallorca. Die Kanäle führen reichlich Wasser und aus dem feuchten Erdreich sprießen nur so die jungen Triebe. In Massen blüht der Glöckchenlauch. Etwa 1000 tierische Spezies leben in dem mehr als 2000 Hektar großen Feuchtgebiet, heißt es, dazu kommen hunderte unterschiedliche Pflanzen. Mehr als 300 Vogelarten haben Ornithologen hier schon beobachtet. Tausende Vögel rasten in der Albufera auf der Durchreise oder verbringen gleich den ganzen Winter hier.
Dem auf den ersten Blick idyllischen Landstrich droht aber von mehreren Seiten Gefahr. Neben der zunehmenden Versalzung, ist da das Problem der intensiven Landwirtschaft insbesondere in Sa Pobla, Mallorcas Agrargemeinde schlechthin. Noch lange werde es dauern, bis die Folgen der jahrzehntelangen Überdüngung der landwirtschaftlichen Nutzflächen und des allzu sorglosen Umganges mit Pestiziden und Herbiziden in der Gegend nicht mehr messbar sind, sagt Matíes Rebassa, seit vielen Jahren Direktor des Naturparks. Lange Zeit handelten die Bauern hier nach dem Grundsatz: viel hilft viel. Die Nitratbelastung des Grundwassers ist eine der größten Gefahren für das empfindliche ökologische Gleichgewicht im Naturpark.
Ein weiteres Problem sind Tiere und Pflanzen, die hier eigentlich nichts zu suchen haben, wie Rebassa erklärt. Aus den Hotelanlagen in der Nähe wehen Grassamen herüber. Rasen aber gehört nicht zur ursprünglichen Flora der Albufera. Auch die Blaukrabbe gilt hier als Eindringling, ebenso Karpfen. „Diese Arten komplett auszurotten ist aussichtslos”, sagt Rebassa. „Es kann nur darum gehen, sie einigermaßen unter Kontrolle zu behalten.”
Aber es gibt auch gute Nachrichten. So hat die Balearen-Regierung zuletzt mehr als sieben Millionen Euro in die Erweiterung der Kläranlage von Sa Pobla gesteckt und deren Kapazität deutlich erhöht. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Probleme gegeben, weil bei starken Regenfällen ungeklärtes Abwasser in den Torrent de Sant Miquel geleitet wurde, der mitten durch das Feuchtgebiet fließt.
Zudem ist der Naturpark s'Albufera auf Mallorca vor einigen Jahren um etwa 400 Hektar erweitert worden – unter anderem in Richtung Son Bosc, wo einst ein Golfplatz gebaut werden sollte. Die Entscheidung zeige bereits Wirkung, so Rebassa. Die Albufera liegt inmitten eines Geländes, in dem der Siedlungsdruck besonders hoch ist, nicht nur auf der Meeresseite, wo sich an der Platja de Muro und in Can Picafort die Hotels und Apartmentanlagen aneinanderreihen. Im Inselinneren bildet das Elektrizitätswerk Es Murterar die unvermeidliche Industriekulisse für das Vogelparadies. Umweltschützer mahnen schon seit vielen Jahren, dass man ein Naturschutzgebiet wie die Albufera nicht allein innerhalb starrer Grenzen regulieren könne.
Durch die Erweiterung ist es nun auch möglich, im Randbereich aktiv zu werden. Alles, was dort geschieht, hat nämlich Auswirkungen auf die Albufera, erklärt Rebassa. So werden etwa die Kanäle häufig nicht so gereinigt, wie es wünschenswert wäre, damit das Wasser ungehindert fließen kann. Außerdem gibt es Anwohner, die unzählige Katzen halten – die dann Jagd auf Vögel machen. Hier kann das balearische Umweltministerium nun stärker regulierend eingreifen. Ein erstes Projekt zur Instandsetzung eines Bereiches, der zuvor außerhalb der Grenzen des Parks lag, sei bereits beschlossene Sache, sagt Rebassa.
Bei allen Problemen erfreut sich der Naturpark großer Beliebtheit, längst nicht nur bei Ornithologen. Etwa 105.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr. Die größten Gruppen unter den Besuchern stellen die Deutschen und die Briten. Zuletzt seien vermehrt Franzosen und Osteuropäer gekommen, sagt Rebassa. Und so herrscht an manchen Tagen, vor allem Wochenenden, ein ziemliches Gedränge auf den Aussichtsplattformen und Spazierwegen des Parks. „Ja, an manchen Tagen sind es schlicht zu viele Besucher”, sagt Rebassa. Hin und wieder gebe es Beschwerden von Leuten, die einfach nur ganz in Ruhe Vögel beobachten wollen. Vor einiger Zeit habe man den Zugang wegen des großen Andrangs zum Park sogar für einige Stunden sperren müssen, sagt Rebassa.