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TARIFKONFLIKT

Auf Mallorca droht der nächste Streik: Mitarbeiter von Tankstellen fordern höheren Lohn

Die Angestellten an den Zapfsäulen pochen auf 300 Euro mehr Geld auf dem Gehaltsscheck. Bereits Ende des Monats wollen sie die Arbeit stundenweise niederlegen.

Unter den Angestellten der Tankstellen brodelt es. Sie fordern unter anderem mehr Geld. | Foto: M.À. Cañellas

| | Palma de Mallorca |

An Mallorcas Tankstellen drohen in den kommenden Wochen Arbeitsniederlegungen. Die beiden Großgewerkschaften UGT und CCOO haben zu landesweiten Streiks und Protestaktionen aufgerufen. Den Auftakt soll ein erster vierstündiger Ausstand am 30. April bilden, gefolgt von einem 24-stündigen Streik am 3. Mai, falls bis dahin keine Einigung mit den Arbeitgebern erzielt wird. Die Aktionen fallen in eine verkehrsreiche Zeit rund um den Maifeiertag, in der traditionell viele Menschen verreisen.

Nach Angaben der Gewerkschaften sind mehr als 55.000 Beschäftigte in ganz Spanien betroffen, davon über 800 auf den Balearen. Hintergrund der Eskalation sind festgefahrene Tarifverhandlungen. Diese würden auf nationaler Ebene geführt, seien derzeit jedoch unterbrochen, sagte Roberto Serrano von der Industriegewerkschaft UGT-FICA auf den Balearen.

Die Arbeitnehmervertreter kritisieren insbesondere die Diskrepanz zwischen steigenden Kraftstoffpreisen und niedrigen Löhnen. "Sie verkaufen den Treibstoff zu Höchstpreisen, und die Gehälter sind am Boden", sagte Serrano. Der durchschnittliche Monatslohn liege bei rund 1.350 Euro und damit nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn. Aus Sicht der Gewerkschaften sei diese Situation "nicht hinnehmbar".

Einen ähnlichen Ton schlug Miguel Amengual von der Gewerkschaft CCOO an. Nach seiner Darstellung hätten sich die Arbeitgeber nach Beginn des Kriegs im Iran "weniger kompromissbereit" gezeigt, obwohl die Verhandlungen zuvor gut verlaufen seien.

Besonders angespannt sei die Lage auf Mallorca und den Nachbarinseln. Dort seien die Lebenshaltungskosten, vor allem für Wohnraum, deutlich höher als im Landesdurchschnitt. "Auf den Inseln kann man mit 1.350 Euro nicht leben", befand Serrano.

Die Gewerkschaften sehen zudem "strukturelle Probleme" in der Branche. Immer weniger Menschen wollten unter den aktuellen Bedingungen an Tankstellen arbeiten, was den Trend zu Selbstbedienungssystemen verstärke. Gleichzeitig seien die Anforderungen an das Personal gestiegen: Neben dem klassischen Tankstellenbetrieb gehörten inzwischen auch Tätigkeiten im Verkauf, in angeschlossenen Shops oder sogar in ergänzenden Dienstleistungen wie Waschstraßen zum Alltag.

In den Tarifverhandlungen fordern die Arbeitnehmervertreter eine jährliche Lohnerhöhung von zunächst zwei Prozent zuzüglich Inflationsausgleich sowie einen zusätzlichen Aufschlag von 0,5 Prozent für die Jahre 2025 bis 2027, teilweise rückwirkend. Ziel sei ein durchschnittliches Monatsgehalt von etwa 1.650 Euro. Darüber hinaus verlangen sie Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.

Die Gewerkschaften drängen auf eine Wiederaufnahme der Gespräche, um eine Eskalation zu vermeiden. Andernfalls könnten nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Kunden der Tankstellen die Folgen der Arbeitskämpfe zu spüren bekommen.

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