In der staubigen Ebene von Campos im Südosten von Mallorca, dort, wo die mallorquinische Sonne das Gras der Weiden im Sommer in ein hartes Gelb verwandelt, herrschte jahrelang eine trügerische Stille. Hinter den Trockenmauern der Finca Sa Barralina, unweit des türkisblauen Wassers von Es Trenc, sollten eigentlich nur Pferde grasen. Doch was hier unter der Regie deutscher Bauträger entstand, war kein gewöhnlicher Bauernhof, sondern ein Prestigeobjekt des internationalen Polosports. Zehn Jahre lang war dieser Ort das Epizentrum eines juristischen Grabenkriegs, der nun in einem Finale gipfelt, das Beobachter fassungslos zurücklässt: Eine drakonische Geldstrafe als Eintrittskarte in die Legalität für die deutschen Herrenreiter.
Die Agentur für Raumordnung (ADT) des Inselrats hat am vergangenen Montag das Urteil gesprochen. Die Zahlen klingen auf den ersten Blick nach einer schmerzhaften Zäsur: 346.483,69 Euro für das Unternehmen Sa Barralina S.L. und weitere 55.004,83 Euro für die Firma Es Figueral Gran S.L.U. Insgesamt rund 400.000 Euro Buße für „sehr schwerwiegende“ Verstöße gegen das Baurecht. Es geht um 40.000 Quadratmeter illegal genutzte Fläche, um ungenehmigte Erweiterungen und den Hochmut, ein Luxus-Sportevent dort abzuhalten, wo das Gesetz eigentlich nur die Stille der Natur vorsieht.
Der Scheck als Ablassbrief für die Investoren
Doch wer glaubt, dass mit dieser Zahlung der Abrissbagger anrollt, irrt gewaltig. In der Logik der aktuellen balearischen Politik wirkt die Strafe weniger wie eine Sanktion und mehr wie ein Ablassbrief für die deutschen Investoren. „Wir begrüßen die Strafe“, sagt Joan Llodrà von der Oppositionspartei Més per Mallorca zwar pflichtschuldig, fügt aber sofort den bitteren Nachsatz hinzu: „Wir wissen, dass der Poloplatz nach Zahlung dieser Bußgelder dank der maßgeschneiderten Politik der Regierung Prohens legal sein wird.“
Es ist ein politisches Husarenstück, das derzeit auf den Balearen exekutiert wird. Während die linke Vorgängerregierung die Daumenschrauben für illegales Bauen im Außenbereich anzog, weht unter der konservativen Ministerpräsidentin Marga Prohens ein anderer Wind. Ein neues Dekret zur Verwaltungsvereinfachung, garniert mit Änderungsanträgen der rechtspopulistischen Vox-Partei, wirkt wie ein Katalysator für all jene Projekte, die jahrelang im juristischen Abseits standen. Besonders pikant: Das Gesetz scheint wie geschaffen für die Rettung des deutschen Polo-Traums.
Sieben Jahre Funkstille – und dann der Galopp
Die Geschichte von Sa Barralina ist eine Geschichte der Ignoranz gegenüber staatlichen Institutionen durch ausländisches Kapital. Bereits 2017 wurde die Anlage versiegelt. Der Oberste Gerichtshof der Balearen hatte den Betrieb untersagt, da das Gelände in einer ökologisch sensiblen Zone liegt, geschützt durch europäische Vogelschutzrichtlinien und das Naturparkgesetz des nahegelegenen Es Trenc. Sieben Jahre lang ruhte der Betrieb – offiziell.
Doch im Mai 2024 platzte die Bombe. Drohnenaufnahmen und Augenzeugenberichte von Aktivisten zeigten: In Sa Barralina wird wieder galoppiert. Die deutsche Klientel schwang wieder die Schläger, als hätte es die richterlichen Verbote nie gegeben. Die Empörung war groß, die Reaktion der Behörden nun die besagte Geldstrafe. Doch hier zeigt sich das „mallorquinische Wunder“: Das neue Baurecht erlaubt es, illegale Bauten im Außenbereich gegen eine „Ausgleichszahlung“ zu legalisieren.
Ein Signal an das Kapital aus dem Norden
Für die deutschen Betreiber der Anlage, die in Campos oft als Inbegriff der „Gentrifizierung des ländlichen Raums“ gesehen werden, ist die Rechnung einfach: 400.000 Euro Strafe sind ein Bruchteil dessen, was der Wertzuwachs einer nun legalen, professionellen Polo-Anlage ausmacht. Es ist das Signal an Investoren aus Deutschland und dem restlichen Europa: Wer groß genug baut, die richtigen Anwälte beschäftigt und lange genug durchhält, wird am Ende belohnt.
Kritiker sprechen von einer "Lex Polo", schreibt die spanische MM-Schwesterzeitung. Das Gesetz werde passgenau um die illegalen Pfosten der deutschen Tore herumgeschrieben. Während der kleine mallorquinische Landwirt für ein ungenehmigtes Gartenhäuschen mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen muss, scheint für das deutsche Polo-Projekt eine eigene Rechtsphäre zu existieren.
In den Cafés von Campos wird man sich in diesen Tagen fragen, was ein Verbot auf Mallorca noch wert ist. Wenn 400.000 Euro ausreichen, um jahrelange Rechtsbrüche in Wohlgefallen aufzulösen, dann ist die Strafe keine Strafe mehr, sondern eine Investitionskostenstelle für ein deutsches Luxusprojekt. Der Poloplatz von Sa Barralina wird bleiben. Die Pferde werden galoppieren, die Champagnerkorken werden knallen. Und die Justiz? Sie hat ihren Preis gefunden.