Zwischen Hotels, Ferienapartments und dem stetigen Strom von Mallorca-Urlaubern wirkt das ehemalige "Tenis Sport Las Palmeras" in Port d’Alcúdia im Inselnorden wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – und ist doch alles andere als verlassen. Wie die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung Ultima Hora berichtet, lebt hier seit Jahren eine Gruppe von rund zwanzig Menschen, ein improvisiertes Nebeneinander verschiedener Nationalitäten, Lebensläufe und Perspektiven.
Viele der Bewohner gehen einer Arbeit nach, einige verdienen ihr Geld mit dem Sammeln von Schrott, andere mit Gelegenheitsjobs der Umgebung. Ihr Alltag spielt sich in einem rechtlichen Zwischenraum ab: Das Gelände gehört formal noch einem Eigentümer, doch ein Gerichtsverfahren über die Rückführung zieht sich hin. Bis eine Entscheidung fällt, bleibt auch der Zustand vor Ort ungeklärt.
Wer die Straße nach Artà entlangfährt, nimmt das Areal kaum wahr. Hinter Mauern und verwitterten Strukturen verbirgt sich eine stille Parallelwelt, die Anwohnern und Beschäftigten der Gegend jedoch längst bekannt ist. Sie beobachten den fortschreitenden Verfall der Gebäude mit Sorge ... und berichten von Vorfällen, die wiederholt Einsätze der Polizei von Alcúdia und der Guardia Civil nach sich zogen. Zuletzt wurden die Bewohner bei einem solchen Einsatz erfasst und identifiziert.
Im Inneren hat sich eine provisorische Ordnung entwickelt. Räume im Hauptgebäude dienen als Schlafplätze, Nebengebäude als Rückzugsorte. Wo einst Tennis gespielt wurde, hängen heute Kleidungsstücke zum Trocknen über den Netzen. Einige der Bewohner erzählen, sie lebten bereits seit Jahren hier – nicht aus freier Wahl, sondern mangels bezahlbarer Alternativen auf dem angespannten Wohnungsmarkt der Region.
Wo früher Tennis war, trocknet heute Wäsche
Auch die Einschätzungen aus der Nachbarschaft sind vielschichtig. Während ein Teil der Gruppe als arbeitend und unauffällig beschrieben wird, berichten andere von Konflikten mit einzelnen Personen. Immer wieder fallen in diesem Zusammenhang Hinweise auf Diebstähle in umliegenden Straßen – zugleich betonen viele, dass solche Vorfälle nicht pauschal der gesamten Gruppe zugeschrieben werden sollten.
Die Gemeinschaft selbst ist heterogen: Spanier, Menschen aus dem Maghreb, aus Südamerika und anderen europäischen Ländern teilen sich den Raum. Es gibt Gerüchte, dass einzelne Zimmer weitervermietet werden. Sichtbar ist vor allem der Zustand des Geländes: bröckelnde Strukturen, Müllansammlungen, Graffiti und vertrocknete Pflanzen zeugen von jahrelanger Vernachlässigung.
Behörden und Sozialdienste kennen die Situation, doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt. Ohne abschließendes Gerichtsurteil bleibt ein Eingreifen schwierig. So verharrt das Gelände in einem Zustand zwischen Duldung und Unsicherheit. Bewohnt, aber ohne Perspektive.
Mit Beginn der touristischen Hochsaison auf der Baleareninsel verschärft sich die Lage zusätzlich. Wohnraum wird knapper, Preise steigen weiter. Für Menschen ohne festen Wohnsitz gewinnt das ehemalige Clubgelände damit an Bedeutung – nicht als Lösung, sondern als notdürftiger Zufluchtsort in einer Region, in der selbst ein regelmäßiges Einkommen längst keine Garantie mehr für eine eigene Wohnung auf dem Mittelmeereiland ist.