Auf Mallorca mehren sich Hinweise auf Missbrauch von Fahrkarten im öffentlichen Nahverkehr. Busfahrer des inselweiten Netzes TIB berichten, dass Touristen offenbar mit ausschließlich für Inselbewohner vorbehaltenen Fahrkarten kostenlos unterwegs seien. Darauf habe nach Angaben des Gewerkschaftsverbands SATI auch die Regionalpartei Més im Balearen-Parlament aufmerksam gemacht, berichtet die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora".
Der Abgeordnete Ferran Rosa sprach das Thema während einer Anhörung des Verkehrsministers José Luis Mateo in einem Parlamentsausschuss an. Nach Einschätzung von Més könnten Urlauber, die in Ferienwohnungen untergebracht sind, von ihren Gastgebern entsprechende Plastikkarten erhalten. "Sie steigen ein und verdecken mit einem Finger das Passfoto", berichtete Rosa. Das geschehe "täglich" auf mehreren Linien, insbesondere aber in Bussen nach Sóller, Peguera, Magaluf, Pollença und Campos.
Busfahrer berichteten demnach, dass das Verhalten der Fahrgäste häufig auf Urlauber schließen lasse. Die bordeigenen Zahlsysteme ermöglichten es dem Personal, die Bezahlung mit aufladbaren Fahrkarten von regulären Kreditkartenzahlungen zu unterscheiden. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass einzelne Fahrgäste mit mehreren Karten unterwegs seien.
Nach Darstellung der Gewerkschaft sind den Fahrern jedoch die Hände gebunden. Kontrollbefugnisse gehörten nicht zu ihren Aufgaben. "Wir haben keine rechtlichen Befugnisse, die Fahrkarten einzubehalten oder den Nutzer zu zwingen, sich auszuweisen", heißt es. Früher habe es mehr direkte Kontrolle gegeben: Fahrer hätten Karten prüfen und bei Auffälligkeiten melden können. Heute dagegen blieben die Karten oft im Smartphone-Etui verborgen und seien für das Personal kaum einsehbar.
Verkehrsminister Mateo kündigte an, dafür zu sorgen, jeglichen Missbrauch von Fahrkarten zu unterbinden. "Wir sind die Ersten, die kein Interesse an dieser mutmaßlichen Betrugspraxis haben, da wir den Großteil der Kosten für die kostenlose Nutzung tragen", sagte er.
Auslöser der Parlamentsanhörung war ein im vergangenen Jahr gestartetes Pilotprogramm zur Kontrolle des öffentlichen Personennahverkehrs in Zusammenarbeit mit örtlichen Polizeibehörden. Zwischen April und Dezember seien in diesem Zusammenhang "mehr als 45 Kontrollen" durchgeführt worden, so Mateo. Der Regionalpartei Més ist dieses Zahl zu niedrig: Deren Angaben zufolge verzeichnet das Busnetz jährlich rund 29 Millionen Fahrten. "Die Kostenfreiheit ist für Inselbewohner gedacht. Es ist öffentliches Geld", kritisierte Rosa und drängte auf strengere Maßnahmen.